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Alopecia areata – Kreisrunder Haarausfall
Autor: Ingeborg L. Weber

Autorin: Ingeborg L. Weber

Ein besonderer Fall

Eine 45-jährige, verheiratete Patientin suchte im Juni 2011 die naturheilkundliche Praxis auf. Ihr schon seit längerer Zeit auftretende kreisrunde Haarausfall hatte sich seit Februar 2011 sehr deutlich verstärkt. Sowohl die hausärztliche Behandlung mit cortisonhaltiger Lotion und Biotin als auch eine homöopathische Behandlung brachten bisher keine Besserung. Die Patientin fühlte sich seit Jahren dauernd schlapp. Die Teilzeitstelle als Erzieherin im Kindergarten, die Erledigung der Arbeiten im Haushalt und die Versorgung der Tochter bewältigte sie nur mit großer Anstrengung. Nach dem Frühstück musste sie sich hinlegen. Seit Jahren hatte sie einen sehr weichen Stuhlgang mit therapieresistentem Juckreiz und Fissuren in der Analgegend.

Diagnosefindung

Anamnese

In der Anamnese berichtete sie, dass sie bereits als Kind unter starkem Heuschnupfen mit Beteiligung der Bronchien und leichten allergischen Hauterscheinungen gelitten hatte. Über vier Jahre wurde in der Pubertät eine Desensibilisierung durchgeführt, aber erst ein Umzug acht Jahre später führte zur stetigen Abnahme der Allergiesymptome.

Labor

Der Laborbefund ergab normale Werte im kleinen Blutbild sowie für den Fettstoffwechsel und die Schilddrüse. Das C-reaktive Protein (CRP) als Entzündungsparameter (Normwert 3,3 mg/l) und die Blutsenkung 10/18 waren grenzwertig. Der IGE-Wert lag nicht vor.

Untersuchungen

Eine in der Naturheilpraxis durchgeführte Diagnose-Funktions-Messung zeigte kaum einen Ausschlag bei den Kopfkurven, aber eine leichte Erhöhung der Körperkurven. Das Gerät bewertete das Ergebnis als Allergie. Der Patientin wurde klar, dass dies ihrem subjektiv völlig erschöpften Zustand und der Leere in ihrem Kopf entsprach. Der kinesiologische Indikator-Muskeltest zeigte an, dass Weizen, Roggen, Dinkel, Eier, Fisch und Fleisch schwächten. Bei Milch verursachte sogar eine D8-Potenzierung, also eine enorme Verdünnung, einen abgeschalteten Indikator-Muskel, d. h. eine Schwächung. Bei den Organtestampullen waren Pankreas, Jejunum und Ileum auffällig.

Therapie

Die Therapie bestand darin, die Ernährung umzustellen. Die Patientin sollte die getesteten Lebensmittel meiden, um so eine Entlastung des Organismus herbeizuführen. Weiterhin wurden die folgenden Medikamente kinesiologisch ausgetestet: Zur Anregung des Stoffwechsels wurden 3x1 Tablette Derivatio (Pflüger) vor dem Essen und 3x1 Tablette Lymphomyosot (Heel) nach dem Essen zur Anregung der lymphatischen Entgiftung sowie 3x1 Tablette Eunova (Glaxo Smith Kline) – ein Multivitaminpräparat – zum Essen verordnet.

Stuhlbefund

Der inzwischen eingesandte Stuhlbefund (Labor Enterosan) ergab: Stuhlflora aerob und anaerob bis auf geringfügig verminderte Bifidobakterien normal, pH-Wert 6,5. Verdauungsrückstände wurden keine gefunden, ebensowenig eine Entzündung bei Alpha-1-Antitrypsin. Das sekretorische Immunglobulin A war normal, und auch die Zöliakie-Diagnostik – wegen der Unverträglichkeit von Weizen, Roggen, Dinkel – zeigte normale Parameter. Es wurde aufgrund der gering verminderten Bifidobakterien daraufhin zweimal täglich ein halber Beutel Dasym (Pascoe) verordnet.

Sechs Wochen später

Die Patientin hatte ihre Ernährung auf vegane Kost umgestellt und regelmäßig die Medikamente eingenommen. Obwohl bei ihrer Mutter zwischenzeitlich Krebs festgestellt worden war und es ihr emotional nicht gut ging, fühlte sie sich insgesamt besser. Es waren zwar neue Haare gewachsen, aber es hatten sich auch wieder drei neue kahle Stellen gebildet.

Die tiefergehenden Muskeltests ergaben keinen Stress bei allen glutenfreien Getreidearten, die glutenhaltigen jedoch erzeugten Stress (abgeschalteter Indikatormuskel).

Das weitere Indikator-Muskeltest-Screening ergab die Emotionen Depression und Angst.

Therapie

Der Patientin wurde eine weitere Ernährungsumstellung auf glutenfreie Kost empfohlen. Zusätzlich zu den bisherigen Medikamenten sollten 2x1 Teelöffel Nervennahrung (Wala) – ein medizinischer Honigkomplex – und Spigelia F Komplex (Nestmann) zur Harmonisierung von Herz, Kreislauf und vegetativem Nervensystem eingenommen werden. Die psychische Belastung durch die Erkrankung der Mutter sollte täglich mit zehn Tropfen Rescue- Mischung nach Dr. Bach in Wasser sowie einer Bioresonanz-Stärkekarte, die der Patientin mitgegeben wurde, gemildert werden. Die Tropfen konnten auch der Mutter gegeben werden.

Neun Wochen später

Eine strahlende, vitale Frau stand in meiner Naturheilpraxis vor mir. „Das war ein Treffer ins Schwarze!“, berichtete sie, „Ich stellte sofort meine Ernährung auf glutenfreie Kost um und hatte von heute auf morgen einen normalen Stuhl. Der Juckreiz ist verschwunden. Ich fühle mich viel besser, schaffe alles. Ich kann mit einem freien Gefühl das Leben anders angehen. Nach dem Frühstück muss ich mich nicht mehr hinlegen. Die Rescue-Tropfen machen mich ruhiger. Ich kann nun mit der Krankheit meiner Mutter und den Belastungen im Kinderladen ganz anders umgehen.

Der Haarausfall war eine Bedrohung. Er hat aufgehört.“ Zu diesem Zeitpunkt waren alle Organbefunde normal. Der Laborbefund ergab eine normale BSG von 4/7 und einen IGEWert von 167 (Normalwert bis 100 kU/l). Dieser aktuelle Wert zeigte, dass eine geringe allergische Bereitschaft bestand. (Leider konnte hier kein Vergleich zu früheren Werten hergestellt werden, weil diese der Patientin nicht bekannt waren.)

Fazit

Das Besondere an diesem Fall war, dass der Indikator-Muskeltest eindeutig eine Belastung durch glutenhaltige Nahrungsmittel anzeigte, bei den glutenfreien Nahrungsmitteln aber angeschaltet blieb. Der Patientin wurde sofort der Zusammenhang klar – und die Compliance war hergestellt. Der Stuhlbefund auf Zöliakie (gluteninduzierte bzw. glutensensitive Enteropathie) war eindeutig negativ. Dieses Phänomen sehe ich öfter bei Patienten. Wenn sie sich auf das Ergebnis des Indikator-Muskeltests – trotz des negativen Stuhlbefundes – einlassen und sich glutenfrei ernähren, tritt immer eine Besserung der Symptomatik ein. Bei kreisrundem Haarausfall gibt der Pschyrembel eine mögliche Autoimmunkrankheit an. Die Naturheilkunde vermutet hingegen häufig psychische Ursachen.

In diesem besonderen Fall konnte durch den kinesiologischen Indikator-Muskeltest ein eindeutiger Zusammenhang zum Darm und zur Ernährung hergestellt werden.

Mit drei Konsultationen innerhalb von vier Monaten konnte der Patientin geholfen werden. Der Haarwuchs hatte sich regeneriert, und die extreme Erschöpfung hatte sich hin zu einer positiven Aktivität entwickelt. Somit ist der kinesiologische Indikator-Muskeltest in der naturheilkundlichen Praxis ein wichtiges Sondierungsinstrument bei der Differentialdiagnose und dem Einsatz von Testsätzen.


Zur Autorin: Ingeborg L. Weber, MSc

MSc (Health Sciences und Child Development) und Diplom-Gerontologin. Koordinatorin für den Forschungsschwerpunkt Kinesiologie am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau. Gründung und Leitung der Internationalen Kinesiologie Akademie in Frankfurt. Seit 1993 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Gründung und 1. Vorsitzende Europäischer Verband für Kinesiologie e.V., Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Naturheilbundes e.V. (DNB e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Association of Natural Medicine in Europe (ANME e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Freien Gesundheitsberufe, Dachverband für freie beratende und Gesundheit fördernde Berufe e.V. Kooperationspartnerin des Steinbeis-Transfer-Instituts Körperbezogene Therapien der Steinbeis-Hochschule Berlin GmbH.

Kontakt: Internationale Kinesiologie Akademie, Cunostr. 50-52, D-60388 Frankfurt-Bergen, Tel.: 06109 / 723941, Fax: 06109 / 723942, info@kinesiologie-akademie.de, www.kinesiologie-akademie.de