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Meine Zeit als Schatzmeister im EVfK e. V.
Autor: Dieter F. Klippel

Autor: Dieter F. Klippel

Ein Ehrenamt, das prägt

Ende Januar 2001 beantragte ich die Aufnahme in den in 2000 neu gegründeten Verband für Kinesiologie (VfK). Als Heilpraktiker und ehemaliger Ingenieur war ich es gewohnt, aktiv mitzuarbeiten, was mir zunächst das Amt des Schriftführers und – später zusätzlich – vertretungsweise das Amt des Schatzmeisters eintrug, da der gewählte Schatzmeister aus persönlichen Gründen, seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen konnte. 2003 wurde ich dann offiziell in das Amt gewählt, das ich bis heute innehabe.

Schatzmeister hört sich trocken und nicht sehr interessant an, als Vorstandsmitglied war ich jedoch an allen wichtigen Planungen und Entscheidungen des Verbandes beteiligt. Lassen Sie mich deshalb zurückblicken, wie sich das Ganze so entwickelt hat.

Am 14. April 2000 ging der Impuls von Ingeborg L. Weber aus, einen Verband für Kinesiologie zu gründen, um Kinesiologie seriös, fundiert und transparent in der Öffentlichkeit darzustellen und daraus ein Berufsbild zu entwickeln. Zu dem Zeitpunkt hatte die Kinesiologie noch einen sehr schlechten Ruf. Die Kirchen und andere Institutionen warnten vor den esoterischen Lehren der Kinesiologie. Manchmal tauchte sogar das Wort Sekten auf. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Deutschland das „Lebensbewältigungshilfegesetz“ vorbereitet. Darin war verankert, dass Beratung zur Lebensbewältigung nur noch Akademikerberufe ausüben durften. Das hätte bedeutet, dass wir und Anwender ähnlicher Methoden diese Tätigkeit nicht mehr ausüben dürften. Es bildete sich Widerstand in der Bevölkerung gegen dieses Gesetz. Wir wurden gefragt, ob wir an der Vorbereitung einer Petition mitwirken würden. Wir haben an dem Entwurf mitgearbeitet und fleißig Unterschriften gesammelt. Das Paket wurde in Berlin den Politikern übergeben. Wir haben nichts mehr von dem Gesetz gehört.

Damit war unsere Aufgabe eigentlich erledigt und die Gruppe wollte sich auflösen. Ingeborg L. Weber machte damals den Vorschlag, einen Dachverband der neun beteiligten Verbände zu gründen, um aus den Methoden einen Beruf zu machen. So kam es zur Gründung der Freien Gesundheitsberufe e. V. (www.freie-gesundheitsberufe. de) in Frankfurt in der Internationalen Kinesiologie Akademie. Eine Satzung, Werte und Ziele und methodenübergreifende Ethikrichtlinien für den Bereich freie Lebensberatung und Gesundheitsförderung wurden erarbeitet und die Struktur für ein gemeinsames Curriculum entwickelt. Die Inhalte wurden von den Methoden bestimmt. Das Ganze musste natürlich finanziert werden, was uns, als damals noch kleinem Verein, genaue Kalkulation abverlangte.

Unser Vorstand war sich sehr schnell einig, dass die drei Säulen der Kinesiologie, Touch for Health, Brain Gym und das 3-in-1-Konzept, die für Körper, Geist und Seele stehen und damit für die Triade der Gesundheit nach der Definition der WHO, das Kernstück der Ausbildung sein sollten.

Nachfragen bei der Industrie- und Handelskammer machten deutlich, dass ein Fachwirt – also ein Beruf – 600 Stunden à 60 Minuten absolvieren muss. Also richteten wir die Inhalte der Kinesiologie nach diesen Vorgaben und den Richtlinien der Freien Gesundheitsberufe aus. Damit beantragten wir die Anerkennung beim Regierungspräsidium im Jahr 2005. Unsere Freude war natürlich groß, als wir das Schreiben erhielten, dass unserem Antrag stattgegeben wurde. Das bedeutete, dass zum ersten Mal eine Anerkennung von einer staatlichen Institution für die Kinesiologie vergeben wurde. Da der Verband selbst nicht ausbildet, arbeitet er eng mit der Internationalen Kinesiologie Akademie GmbH (IKA) zusammen. Ein wissenschaftlicher Beirat unterstützt auch heute noch den Europäischen Verband für Kinesiologie e. V. und die IKA. Schnell folgten weitere Anerkennungen wie vom:

• Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung Rheinland- Pfalz

• Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien

• Sächsisches Staatsministerium für Kultus

• Der Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände e. V. (DDH) hat einige Kurse nach seinen Therapierichtlinien für Kinesiologie zertifiziert.

• Das Regierungspräsidium Darmstadt hat für unsere dreijährige Ausbildung in Kinesiologie nach dem Umsatzsteuergesetz bescheinigt, dass sie berufsvorbereitend ist und der beruflichen Aus- und Fortbildung dient.

• Die Internationale Kinesiologie Akademie ist zur Annahme von Prämiengutscheinen berechtigt. Die Bildungsprämie wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der EU gefördert.

• Die Internationale Kinesiologie Akademie ist vom Land Nordrhein-Westfalen im Projekt „Bildungsscheck“ als Weiterbildungseinrichtung anerkannt. Die Internationale Kinesiologie Akademie ist vom Land Rheinland- Pfalz als Weiterbildungseinrichtung für das QualiScheckverfahren akkreditiert.

• Die Internationale Kinesiologie Akademie ist geprüftes Mitglied in „Weiterbildung Hessen e. V. – Qualität in der hessischen Weiterbildung“. Damit ist sie für den Qualifizierungsscheck Hessen zugelassen.

Zu den erarbeiteten Richtlinien gehörte auch, dass die Methode nur unterrichtet werden darf, wenn die Person die komplette Ausbildung von 600 Stunden absolviert hat und einbis zweimal in dem einen Kurs hospitiert hat. Bei einem Arbeitstreffen 2004 im europäischen Parlament vor Ort in Brüssel wurden wieder die Bestrebungen vorgetragen, dass die Methoden von Alexandertechnik über Kinesiologie bis Zilgrei nur von Personen mit Akademikerhintergrund ausgeübt werden sollen. Da in diesen Gremien nur europäische Verbände tätig werden können, haben wir unseren Verband geschlossen und gleichzeitig wurde der Europäische Verband für Kinesiologie e. V. in Frankfurt gegründet.

Parallel wurde damals auch der Dachverband FG (Freie Gesundheitsberufe) tätig und entwickelte ein Positionspapier. Mit diesem fuhren wir nach Berlin und argumentierten mit einer Gruppe der FG mit den Politikern der einzelnen Parteien vor Ort über den neuen Gesetzesentwurf. Wir waren ernüchtert, wie wenig die Politiker über die Hintergründe der Methoden wussten, wie auch über den Unterschied zwischen den staatlich geregelten und den freien Gesundheitsberufen. In der Lesung im Bundesrat wurde dieses Gesetz nicht angenommen, das heißt, dass bis auf den heutigen Tag unsere Methoden weiter auf die bewährte Art und Weise angeboten werden können. Die ANME (eine Gesellschaft für naturheilkundliche Medizin auf europäischer Ebene), in 2002 gegründet, in der unsere 1. Vorsitzende Ingeborg L. Weber Mitbegründerin und Mitglied im erweiterten Vorstand ist sowie wie der EVfK, Mitglied, hat sich inzwischen in Brüssel etabliert und ist in verschiedenen Gremien vertreten und verleiht der naturheilkundlichen Medizin – und damit unseren Methoden – eine Stimme. Ein besonderes Highlight war das 4. Europäische Symposium „CAM in Europe - quo vadis, Ausübung und Weitergabe von traditionellem Heilwissen in Europa„ am 13. und 14. November 2010 in Wien in Zusammenarbeit mit der Österreichischen UNESCO-Kommission. Eingeladen wurden wir damals vom Österreichischen Gesundheitsministerium, in dessen Räumen die Veranstaltung stattfand.

Internationale Foren

2000: Beispielhafte Projekte im weltweiten Netzwerk Kinesiologie

2002: Hyperaktivität, Wahrnehmungs- und Lernstörungen, Pro und Kontra

2002: Hyperaktivität, Wahrnehmungs- und Lernstörungen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten der Naturheilkunde

2003: Hyperaktivität, Wahrnehmungs- und Lernstörungen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten

2004: Leben im Wandel der Zeit – Ereignisse der Lebensreferenzlinie und ihr Einfluss auf die Biographie

2006: Gesund durch Berühren – Touch for Health, 20 Jahre Ottawa Charta der WHO

2008: Lernen mit Herz und Verstand, Lernen – ein Leben lang???

2010: Beispielhafte Projekte im Netzwerk Kinesiologie, Aus der Praxis - für die Praxis

2012: Mit allen Sinnen – Von allen Sinnen Leider konnten wir diese wichtige Serie aus Kostengründen nicht weiter durchführen. Auf diese Art und Weise haben wir die Kinesiologie in das berufliche Umfeld unserer Referenten aus den verschiedensten Bereichen (Pädagogik,Medizin, Naturheilkunde, Psychologie usw.) hineingetragen und viel Wertschätzung erfahren.

Durch die Forschungsarbeiten der Internationalen Kinesiologie Akademie aufmerksam geworden, beauftragte Prof. Löhn von der Steinbeis- Hochschule Berlin GmbH (www.stein beis-hochschule.de) Ingeborg L. Weber, ein Steinbeis Institut (www.ikm-studium.de) zu gründen und einen Studiengang für Komplementäre Methoden – dazu gehört auch Kinesiologie – zu implementieren. Im Oktober 2013 startete in Frankfurt der 1. Studiengang und Oktober 2014 der 2. Studiengang. Im 3. Studiengang ab Oktober 2015 war eine Studierende aus Österreich und eine Studierende aus Luxemburg mit der Methode Kinesiologie dabei. In 2016 startete der 4. Studiengang. Es ist außerdem möglich, Atemtherapie, Klang-Massage und Shiatsu als Methode zu wählen. Inzwischen liegt die erste Bachelorarbeit in Kinesiologie vor, mit einem sehr guten Ergebnis bei der Arbeit mit Parkinson-Patienten. Für den Studiengang mussten wir eine Übersichtsanalyse zur Arbeitsmarktsituation und Berufschancen erstellen. Es ist nicht nur der Traum von der eigenen Praxis, sondern Kinesiologie lässt sich in viele Bereiche unserer Gesellschaft einbringen.

Außerdem wurde die Möglichkeit geschaffen, auf Hochschulniveau ein Zertifikat zu erwerben in den Schwerpunkten der Kinesiologie wie Touch forHealth, Brain Gym, 3D-Integration, Hyperton XMuskelkommunikation, Professionelle Kinesiologie Praxis, Spezielle Kinesiologie Methoden, Naturheilkundliche Kinesiologie, Musikpädagogische Kinesiologie. Das bedeutet, dass die Referenten, die diese Methoden unterrichten, von der Steinbeis Hochschule geprüft und gelistet werden. Inzwischen wurde 6x das Diploma Supplement der SHB verliehen. Die Anträge für weitere sieben Zertifikate liegen vor.

Des Weiteren sind Forschungsarbeiten entstanden, die in wissenschaftlichen Datenbanken gelistet sind und zitiert werden. In dem Buch „Yes we can„ werden drei Studien vorgestellt, in denen die Kinesiologie ein positives Ergebnis zeigt. Zwei davon sind von Ingeborg L. Weber unserer 1. Vorsitzenden des EVfK. Besonders stolz sind wir auch auf unsere kontinuierliche Leistung, in der Regel bis zu sechsmal im Jahr auf Messen und Kongressen mit Stand in ganz Deutschland vertreten zu sein. Jeden Monat haben wir außerdem einen Artikel in der CO.med publiziert, das heißt bisher mehr als 200 Artikel.

Trotz wiederholter Nachfragen einiger Mitglieder wollten wir nie von den gesetzlichen Krankenkassen offiziell anerkannt werden, da dadurch unsere Arbeit durch Regularien eingeschränkt würde. Sie dürfen nur ärztliche Leistungen und wissenschaftlich anerkannte Methoden honorieren. Aber unsere Klienten/ Patienten wurden unaufgefordert für uns tätig, da sie mit den Ergebnissen der Kinesiologie sehr zufrieden und glücklich sind. Die IKK Südwest erstattet bis zu 80 Prozent über das Gesundheitskonto für ihre Mitglieder, wenn sie von einem Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeut erbracht wird. „Prävention am Arbeitsplatz“ und mit Stressreduktion zu arbeiten wird nach dem neuen Präventionsgesetz gefördert und ist inzwischen von einigen Kinesiologen realisiert worden. Honorare von Heilpraktikern, die mit Kinesiologie arbeiten, werden von der privaten Continentale Versicherung erstattet.

Wie bereits oben erwähnt, musste immer wieder die Finanzierbarkeit der Aktivitäten im Auge behalten und gemeinsam mit dem Vorstand die Machbarkeit abgewogen werden, was uns bis heute gut gelang. Im Rückblick darf ich sagen, dass ich mich darüber freue und auch stolz darauf bin, dass ich in diesem Team mitarbeiten konnte. Damit war es mir außerdem möglich, einen positiven Beitrag, nicht nur für den Europäischen Verband für Kinesiologie zu leisten, sondern auch die Kinesiologie grundsätzlich mehr – im positiven Sinn – im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Ich selbst werde allerdings im nächsten Jahr nicht mehr für den Posten des Schatzmeisters kandidieren und den Stab an ein jüngeres, langjähriges Vereinsmitglied weiterreichen.

Ihr Dieter F. Klippel

amtierender Schatzmeister des EVfK


Zum Autor Dieter Klippel

Dieter Klippel ist Vorstandsmitglied im Europäischen Verband für Kinesiologie und verfügt über eine fundierte Ausbildung in Angewandter Kinesiologie und Psychokinesiologie. Er beschäftigt sich intensiv mit Bioenergetik, setzt gezielt Radionik ein und wendet Ausleitungsverfahren und die durch die Kinesiologie ergänzte Wirbelsäulentherapie nach Dieter Dorn in seiner Praxis an. Er beschäftigt sich aus eigener familiärer Betroffenheit seit dem Jahr 2001 intensiv mit der Materie Krebs. Er hat bei der ProLeben Akademie eine 1,5-jährige Ausbildung zum Thema biologische Krebstherapie beendet. Er entwickelte als Heilpraktiker eine weitergehende Form der Kinesiologie, die Systemisch/psychologische Kinesiologie (SysKin©). Sein Wissen in SysKin und Systemaufstellen gibt er in Kursen an Kollegen weiter.

Kontakt: Tel.: 07135 / 931721, www.naturheilpraxis-klippel.de