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Umgang mit "Fremdenergien" in der Kinesiologie
Autor: Dr. Werner Weishaupt

Autor: Dr. Werner Weishaupt

Wie teste ich Patienten zuverlässig?

Als sensible Wesen sind wir nicht nur technischen Strahlungen ausgesetzt, sondern auch den Schwingungen unserer Mitmenschen. Manchmal bleibt dabei etwas an uns „haften“, z.B. in einer größeren Gruppe (im Kaufhaus oder Stadion ‒ bis hin zu Massensuggestion). Mitunter stecken uns die Emotionen anderer an, besonders innerhalb von Familien und Teams oder im therapeutischen Kontakt. Hin und wieder übernehmen wir auch unbewusst etwas von unserem Gegenüber, z.B. um ihn zu entlasten – nach dem Motto: „Geteiltes Leid ist halbes Leid!“ In Familienaufstellungen werden solche Übernahmen, Identifikationen oder auch Delegationen anschaulich sichtbar. Die verschiedenen kinesiologischen Richtungen beinhalten ja alle bestimmte Vortests und Vorkorrekturen, die sicherstellen sollen, dass wir zuverlässige Resultate bekommen. D.h., wir unterstützen unseren Testpartner dabei, aktuelle Stressfaktoren soweit abfließen zu lassen und dadurch in seine eigene Mitte zu finden, dass die Ergebnisse des Muskeltests sich möglichst nur auf ihn und seinen Organismus – in der Gesamtheit von Körper, Seele und Geist – beziehen.

Das Thema „Fremdenergien“ hat für mich in den letzten Jahren in der praktischen kinesiologischen und psychologischen Arbeit stark an Bedeutung gewonnen. So bekam ich z.B. öfter Ergebnisse von einer Testperson, die überhaupt nicht zu ihr zu passen schienen – und zwar nicht nur kinesiologisch, sondern z.B. auch mit dem Lüscher-Farb-Test. Früher führte ein solcher Befund öfter zu Verunsicherungen auf beiden Seiten oder sogar zu Diskussionen über die Verlässlichkeit der angewandten Methode. Irgendwann lag für mich bei solchen Testergebnissen dann aber die Frage nicht weit:

„Sind das überhaupt deine eigenen Gefühle/Ängste/Einstellungen/Symptome?“

Und wenn nicht? „Von wem hast du sie unbewusst übernommen?“

Oder: „Zu wem im (Familien-)System gehören sie?“

Zu einer männlichen Person? ‒ Zu einer weiblichen Person?

Zu einer lebenden Person? ‒ Zu einer verstorbenen Person?

So kann man sich Schritt für Schritt weiter durchfragen, um möglichst genau zu identifizieren, was der Testperson energetisch „anhaftet“ bzw. was sie von wem energetisch übernommen oder übertragen bekommen hat.

Meine Kenntnisse aus der Familientherapie und aus den Familienaufstellungen halfen mir hier sehr weiter. Z.B. das Wissen darum, dass insbesondere kleine Kinder „Tausend Antennen“ haben und innerhalb der Familien alles, aber auch wirklich alles mitkriegen – auch wenn die Erwachsenen meinen, bestimmte Dinge vor ihnen verborgen halten zu können.

„Kinder sind wie Spiegel. Sie zeigen das, was vor ihnen liegt.“

(Jean Paul)

Und oft genug zeigen sie eben auch durch ihre körperlichen und seelischen Symptome oder durch ihre „Verhaltensstörungen“, was im Familiensystem nicht stimmt. Da sie dabei grundsätzlich loyal sind und das System stützen und erhalten wollen, erweist es sich manchmal als gar nicht so leicht, sie zu entlasten und von dieser für sie viel zu großen Verantwortung zu befreien. – Das gilt im Prinzip genauso für „erwachsene“ Kinder! Allergien sollte man, wegen dieses Hintergrundes, häufig auch verstehen als eine körperliche Über- und Abwehrreaktion gegen solche „Fremdlasten“ und energetischen Überforderungen. Der Körper versucht auf seine Weise, diese Dinge loszuwerden und scheint das „Ungreifbare“ dann manchmal an etwas besser „Greifbarem“ (wie z.B. Pollen, Stäuben, Nahrungsmitteln etc.) festzumachen. Allerdings ist eine allergische Reaktion auf eine andere Person letztlich ein untaugliches Mittel der Konfliktlösung! Indem wir mithilfe des Muskeltests und einfacher „Ja-Nein-Fragen“ die Dinge, Gefühle, Beziehungen und Verstrickungen offenlegen, um die es „eigentlich“ geht, helfen wir der Testperson schon ganz entscheidend, wieder zurück in ihre eigene Mitte zu kommen und körperlich und seelisch gesund zu bleiben!

Der Psychotherapeut Thomas Weil spricht in seinem Buch „Endlich frei von Stress“ von Teilpersönlichkeiten, die uns befremden. (S.176ff.): „Unter dem Einfluss dieser blinden Passagiere fühlen wir uns wie fremdgesteuert. Und es kommt uns so vor, als ob wir dem inneren Zwang ausgesetzt wären, etwas zu tun oder zu lassen, was nicht zu uns zu passen scheint ... Verstorbene, die totgeschwiegen werden und die nicht gehen wollen, überleben mitunter in unseren inneren Bildern. Es geht mir nicht darum, Weltanschauungen das Wort reden zu wollen, die kühne Hypothesen über den Verbleib verstorbener Seelen anstellen. Wohl aber können fremdbesetzte Teilpersönlichkeiten insofern ein großes Problem darstellen, als sie mit ihrer unerhörten Geschichte unseren inneren Stress erhöhen und uns kostbare Lebensenergie rauben.

Blinde Passagiere können mit Hilfe des kinesiologischen Muskeltests enttarnt oder durch systemische Aufstellungsarbeit sichtbar gemacht werden. Auf diesem Weg wird es möglich, sich jede Teilpersönlichkeit, deren unerhörte Geschichte auf die innere Bühne drängt und unseren erwachsenen Teil zu verdrängen droht, separat vorzunehmen ... Fremdbesetzte Teilpersönlichkeiten rauben uns Energie. Wenn wir ihnen in ihrem Schicksal Verständnis entgegenbringen und sie respektvoll behandeln, wenn wir sie mit guten Gedanken gewissermaßen ins Licht schicken und sie an eine höhere Macht überantworten, die größer ist als wir selbst, dann werden sie gehen. Indem sie vor unserem inneren Auge Ruhe und Frieden finden, werden wir frei von ihrer Last und erhalten unsere kostbare Lebensenergie wieder zurück.“ (S.182)

Wie gehen wir praktisch vor?

Der folgende Fahrplan mit seinen verschiedenen Varianten hat sich inzwischen seit Jahren bei mir und meinen vielen Hundert Kinesiologie-Schülern bewährt. Wir fanden zwei Testpunkte für „Fremdenergien“ heraus: links und rechts in der Kuhle direkt hinter dem Ohrläppchen. Werden Zeige- und Mittelfinger in diese Vertiefung gelegt und der Indikatormuskel schaltet ab, können wir davon ausgehen, dass eine Fremdenergie vorliegt. Oft zeigt sich in der Kuhle rechts ein männlicher und in der Kuhle links ein weiblicher Einfluss – wir testen in jedem Fall auf beiden Seiten. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, unseren Testpartner verbal zu fragen: „Bist du 100%ig in deiner eigenen Energie?“ Auf eine solche Frage bekommen wir i.d.R. einen stark testenden Indikatormuskel (IM) als „Ja-Antwort“ und einen nachgebenden Muskel als „Nein-Antwort“ von seiner inneren Körperweisheit. ‒ Wenn also auf diese verbale Frage der IM schwach (= Nein-Signal) reagiert, bedeutet das praktisch, dass unser Gegenüber derzeit nicht zu 100% in seiner eigenen Energie ist, sondern dass es bei ihm

Fremdenergien gibt, die abgelöst werden sollten.

Identifizierung der Fremdenergien

Im nächsten Schritt erkunden wir jetzt über weitere Ja-/Nein-Fragen, von wie viel Personen unser Testpartner energetisch etwas aufgenommen hat: Handelt es sich um eine Person? ‒ Test! Handelt es sich um mehrere Personen? ‒ Test! Manche Klienten sind wahre „Einsammler“. Das mag damit zusammenhängen, dass sie sich selbst zu wenig ausfüllen und leben oder dass sie es gelernt haben, sich stets nach den anderen zu richten, was wiederum die Fähigkeit voraussetzt, intuitiv zu erfassen, was „bei den anderen los ist“.

Durch weitere detektivische Fragen (s.o.) finden wir gemeinsam heraus, welche Person(en) energetisch zurzeit noch eine Rolle spielen. Manchmal erweist es sich auch als hilfreich zu wissen und dann zu testen, worum es bei diesen Einflüssen und Überlagerungen genau geht: Gefühle/ Ängste/Überzeugungen/Gewohnheiten/ Symptome/Schmerzen usw. Nicht selten kommen für die Klienten erstaunliche Zusammenhänge ans Licht! Und oft genug reicht dieses jetzt Durchschauen- Können aus, um die Fremdenergien „per Beschluss“ loszulassen. Das ist die einfachste Variante:

Unser Testpartner klopft unterstützend die „Befreiungspunkte“ „Dü-3“ an der äußeren Handkante und spricht währenddessen folgende Affirmation: „Ich lasse jetzt alles los, was ich energetisch und emotional von X aufgenommen habe. Ich lasse alles los, womit ich bei X in Resonanz gegangen bin. Ich kehre jetzt zu 100% wieder in meine eigene Mitte zurück, in meine eigene Energie und Kraft. Ich bin jetzt wieder zu 100% ich selbst. Ich bin jetzt wieder zu 100% ... (eigener Vorname).“

Ablösen von Fremdenergien über ein Vorstellungsritual

Manchmal gelingt das Loslassen aber nicht so einfach „per Beschluss“. Dann kann zunächst der Test auf innere Widersprüche weiterführend sein. Dazu lässt man seinen Testpartner folgende beiden Statements aussprechen und überprüft dann anschließend auf „Ja – innere Zustimmung“ (= IM stark) bzw. „Nein – innere Ablehnung“ (IM = nachgebend). Wählt man dazu z.B. den vorderen Deltamuskel an beiden Armen, werden ggf. auch sofort innere Widersprüche beim Klienten sicht- und spürbar, indem z.B. der eine Arm „Ja“ und der andere „Nein“ antwortet. Die Statements lauten: „Ich will, kann und darf jetzt alle Fremdenergien loslassen.“

„Ich will, kann oder darf das nicht.“ Zeigen sich hier irgendwelche Ambivalenzen oder Widersprüche, lässt man sie zuerst einmal auflösen – wieder über Klopfen der Befreiungspunkte „Dü-3“, zusammen mit der Affirmation:

„Trotz aller Widersprüche liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und entscheide mich jetzt dafür und erlaube mir auch, alle Fremdenergien jetzt vollständig loszulassen.“

Sind alle ggf. vorhandenen Widersprüche aufgelöst, kann das eigentliche Vorstellungsritual vollzogen werden. Vorbereitend dazu fragt und validiert man, über welches Chakra die Energie geflossen ist. Dann erfolgt eine Überprüfung der sieben Hauptchakren nacheinander (Krone – Stirn – Kehle – Herz – Solar-Plexus – Sakral – Basis), indem man als Tester eine Hand in „Pfötchenstellung“ ca. 10 cm vom Körper entfernt vor das jeweilige Chakra hält. – Der „schwache“ IM zeigt an, über welches Energiezentrum die Fremdenergie floss. Das hilft dann, sich das folgende Bild (mit geschlossenen Augen) auszumalen:

Stell dir möglichst plastisch vor, wie du an diesem Chakra mit der anderen Person durch irgendeine Art Seil, Band, Schnur, Kette o.ä. verbunden bist. (Man lässt sich das innere Bild des Testpartners plastisch beschreiben.) Stell dir dann weiter vor, wie du jetzt dieses Seil oder Band zerschneidest oder auf andere geeignete Weise durchtrennst. Welches Werkzeug ist dafür geeignet? Lass die andere Person mit Liebe los! Versorge dann „heilend“ Deine „Wunde“, z.B. durch ein Pflaster, eine Farbe, ein Symbol oder was dir sonst einfällt!

Ablösung der Fremdenergien über zwei Akupunkturpunkte

Nun gibt es immer wieder mal Klienten, die sich visuell nur schwer etwas ausmalen können. Für sie eignet sich ein dritter Weg – die Nutzung von zwei Akupunkturpunkten auf dem Lungenmeridian. Die Atemwege spielen offenbar deshalb eine besondere Rolle, weil wir viele Gefühle, Stimmungen und Energien unserer Mitmenschen einfach „atmosphärisch“ wahrnehmen. Wenn wir z.B. einen Raum betreten, in dem sich gerade noch eine Gruppe anderer Menschen befand, registrieren wir sofort, ob da eine friedli che, harmonische Stimmung herrschte oder ob es „dicke Luft“ gab.

Zur Ablösung berührt man auf der zuvor ausgetesteten Körperseite (links oder rechts) mit zwei Fingern den Akupunkturpunkt Lu 2. Man findet ihn leicht auf der Vorderseite des Körpers dort, wo vor der Schulterkugel die größte Vertiefung ist. Parallel dazu klopft man rhythmisch den Akupunkturpunkt Lu 8. Er liegt auf der Innenkante des Unterarms, zwei Fingerbreit oberhalb des Handgelenks. Parallel zum Klopfen dieses Punktes spricht der Testpartner wieder die Loslass-Sätze aus, so wie unter „Loslassen per Beschluss“ beschrieben.

Ganz gleich, welche Korrektur gewählt wurde, führt man anschließend den NACHTEST durch: nonverbal (das Berühren der Testpunkte hinterm Ohrläppchen sollte einen starken Muskeltest ergeben) oder verbal mit einer starken Testantwort auf die Frage: „Bist du jetzt 100%ig in Deiner Energie?“ Auch wenn wir diese Möglichkeiten hier im Zusammenhang mit den „Vorkorrekturen“ veranschaulicht haben, wie wir vom eigentlichen Anliegen des Klienten zuverlässige Testantworten bekommen, zeigte sich in der Praxis immer wieder, dass die Ablösung von „Fremdenergien und -beeinflussungen“ für die gesamte Balance oft schon „die halbe Miete“ darstellt und ansonsten gar nicht mehr viel zu tun ist, um Stressbelastungen und Symptome zu minimieren.

Mehr zum Thema

Thomas Weil, Endlich frei von Stress: Innere Blockaden lösen mit ROMPC(R), Kassel 2010

Andreas und Claudia Niklas, Kinesiologie, Dachau 2012


Zum Autor Dr. paed. Werner Weishaupt

ist Dozent und Heilpraktiker für Psychotherapie und Kinesiologie. Er ist Leiter der „Praxis im Zentrum für Psychotherapie und Kinesiologie” in Salzgitter. In seiner eigenen therapeutischen Tätigkeit liegt der Schwerpunkt bei der Psychosomatische Kinesiologie für Erwachsene und Kinder sowie der Gruppenarbeit und Supervision. Dr. Weishaupt ist vielen Kollegen bekannt durch seine Vorträge und Seminare bei den regelmäßig stattfindenden Psychotherapie-Symposien des „Verbandes Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.“, dessen Präsident er seit 2003 ist. Darüber hinaus ist er Mitglied im erweiterten Vorstand des Europäischen Verbandes für Kinesiologie (EVfK).

Kontakt: Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V., Lister Str. 7, D-30163 Hannover, dr.weishaupt@vfp.de, www.vfp.de