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Wenn Tiere gehen
Autor: Jutta Binder, B.Sc.

Autorin: Jutta Binder, B.Sc.

Trauer und Verlust kinesiologisch begleiten

„Wenn ihr mich sucht, sucht mich in eurem Herzen; habe ich dort einen Platz gefunden, werde ich immer dort sein.“ (Antoine de Saint-Exupéry) – Waren Tiere früher in erster Linie Nutztiere, so haben sie in den vergangenen Jahren längst in unserem Leben eine festen Platz innerhalb der Familie eingenommen. Jeder dritte Haushalt in der BRD ist im Besitz eines Haustieres. Gerade Hunde gelten als des Menschen bester Freund und erfüllen soziale und emotionale Bedürfnisse ihrer Besitzer. Unter den beliebtesten Haustieren rangierten sie im Jahr 2013 mit 6,1 Millionen auf Platz zwei nach 11,5 Millionen Katzen, Tendenz steigend. Studien untersuchten den Aspekt „Heimtierhaltung und Gesundheit“ und kamen unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

• Haustiere dienen dem Stressabbau.

• Haustierhalter sind optimistischer und haben eine höhere Lebenszufriedenheit.

• Haustierhalter sind weniger einsam.

• Ältere Haustierhalter können mit einschneidenden Lebensveränderungen besser umgehen.

• Ältere Haustierhalter haben ein höheres Aktivitätsniveau als ihre Altersgruppe ohne Haustiere. Speziell für Hundebesitzer gelten neben anderen Ergebnissen:

• Sie sind abgehärteter und leiden weniger unter Erkältungskrankheiten.

• Sie haben weniger Probleme mit Bluthochdruck.

• Sie haben größere Chancen, Herzattacken zu überleben.

• Besonders bei Kindern werden soziale Interaktionen sowie das psychischeWohlbefinden gestärkt.

Spiegelungen – Mensch und Hund

„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.“ (Hildegard von Bingen) Die räumliche Nähe und der enge Kontakt zwischen dem Hund und seinem Besitzer führen dazu, dass der Hund Emotionen und Bedürfnisse seiner Bezugsperson intensiv wahrnimmt und als Symptomträger agiert. Wenn wir ausgeglichen sind, ist es auch der Hund. Die eigene Bedürftigkeit des Halters wird häufig auf das Tier projiziert, indem er dessen angebliche Bedürftigkeit stillt. Gerade das Bedürfnis nach Nähe und Streicheleinheiten wird auf diese Weise befriedigt. Bereits drei Minuten Hundestreicheln führt zu einer erhöhten Ausschüttung des Hormons Oxytocin und zur Stressreduktion.

Zeit des Abschieds

Ein Hundeleben ist mit durchschnittlich zehn bis zwölf Jahren, gemessen an unserer Lebenszeit, vergleichsweise kurz. Neben der Freude über den verspielten und agilen Hausgenossen erleben wir auch den alternden Hund und den Abschied. Für Kinder kann dies besonders gravierend sein, hat ihnen der Hund vielleicht durch die Zeit der Pubertät geholfen undwar in vielenMomenten ein Seelentröster. Ältere alleinstehende Menschen verlieren vor allen Dingen einen wichtigen Sozialkontakt nach Außen und eine feste Bezugsgröße in ihremAlltag. Letztendlich ist der Verlust für jeden Einzelnen so individuell wie wir Menschen selbst. Geburt und Sterben sind fundamentale Vorgänge, die uns alle betreffen, für beide hat die Natur ihre Vorkehrungen getroffen. Die westlichen Kulturen nähern sich dem Thema Sterben erst allmählich an, die östlichen Kulturen haben sich damit bereits intensiv auseinandergesetzt.

Zeit der Trauer

Der anschließende Trauerprozess ist von enormer Wichtigkeit und verläuft in unterschiedlich stark ausgeprägten Phasen ab (Abb. 1). Für den Trauernden macht es keinen Unterschied, ob er über den Verlust eines Menschen oder eines Tieres trauert. Es kann ebenso der Verlust des Arbeitsplatzes, der Verlust eines Partners, der Übertritt in eine neue Lebensphase oder eine schwerwiegende Krankheit sein. Entscheidend sind die intensive Bindung, welche dem Ganzen zugrunde liegt, und die Resilienz, d.h. die seelische Widerstandsfähigkeit, mit der Situation umzugehen (Abb. 2).

„Trauer ist der stärkste Stress, den ein Mensch überhaupt erfahren kann.“ (Collin Murray Parkes)

Stress und seine Folgen

Stressstadien / Allgemeines Anpassungssyndrom nach Hans Selye:
1. Alarmreaktion: Ausschüttung von Stresshormonen und Bereitstellung von Energiereserven.

2. Widerstandsphase: Versuch, das aktuelle Stressniveau zu reduzieren und bereitgestellte Stresshormone abzubauen.

3. Erschöpfungsstadium: Anhaltender Stress beeinträchtigt langfristig das Wohlbefinden. In der Folge sind psychosomatische und psychische Störungen sowie körperliche Erkrankungenmöglich.

Kinesiologische Interventionen zur Stressreduktion

Am Stress setzt die kinesiologische Balance an. Über den kinesiologischen Indikatormuskeltest lässt sich der Stress anzeigen, welcher imOrganismus vorliegt. Wir können die Ereignisse nicht ändern, aber die Emotionen die daran gekoppelt sind (Abb. 3). Stress äußert sich in einer seelischen und körperlichen Reaktion auf die Einwirkung von Stressoren, in unserem Beispiel Trauer und Verlust, und bringt das innere Gleichgewicht in Dysbalance (Abb. 4). Gemäß der Triade der Gesundheit (nach WHO) bieten sich unterschiedliche Korrekturen zur Stressablösung sowohl für das körperliche als auch für das geistige und seelischeWohlbefinden an (Abb. 5).

3D-Integration nach der Methode des 3 in 1 Konzepts

Hilfreich zur emotionalen Klärung und für das Stresstesten beider Gehirnhemisphären sind das von Gordon Stokes und Daniel Whiteside entwickelte 3 in 1 Konzept und die darauf basierende Methode 3D-Integration. Die linke Gehirnhälfte enthält die Allgemeine Integrations-Zone. Ankommende sensorische Daten werden in unser bestehendes Glaubenssystem integriert. Wir reagieren in kontrollierten, bewährten Mustern und halten unser Selbstbild aufrecht. Ganz im Gegensatz zur rechten Gehirnhälfte. Hier befinden sich Kreativität und Intuition und Dinge, die wir nicht als Realität ansehen. Die rechte Gehirnhälfte ist ein unbestechlicher Zeuge unseres Gedächtnisses.

Das Testen ermöglicht die bestmögliche Information durch das Biofeedback des gesamten Gehirns. Der Stresstest zeigt uns, wie Emotionen den Körper beeinflussen und Energien oder Wahrnehmungen blockiert werden.

Ein wichtiges Instrument für die kinesiologische Balance ist das Verhaltensbarometer. Es zeigt uns unseren blockierten Zustand (keine Wahl) und unseren erwünschten Zustand (Wahl). Mit Hilfe des Stresstests sind wir in der Lage, die Emotionen zu identifizieren, welche uns von unserem ersehnten Geisteszustand trennen. Das bedeutet, unsere bewusste Reaktion in der Gegenwart steht in direktem Zusammenhang zu unseren unterbewussten Reaktionen auf ähnliche Situationen in der Vergangenheit. Dahinter verbirgt sich unsere gesamte Lebenserfahrung. Lösen wir die negativen Auswirkungen früherer Emotionen auf jetzige Entscheidungen, kommen wir aus dem Stress heraus und haben Wahl-Möglichkeiten (s.o.). Die Methode ermöglicht tiefgreifende Korrekturen gemäß der Triade von Körper-Geist-Seele und kann an dieser Stelle nur stark vereinfacht vorgestellt werden.

Emotionale-Stress-Reduktion (ESR)

Unterschiedliche kinesiologische Richtungen vermitteln die Technik der Emotionalen- Stress-Reduktion, kurz ESR. Dort, wo Berührung stattfindet, fließt Energie. Unter Stress fehlt uns der gleichzeitige Zugriff auf wichtige Gehirnstrukturen. Wir legen eine Hand auf die Stirn (Neokortex = Sitz der Rationalität, des planenden Handelns) und die zweite Hand auf den Hinterkopf (Stammhirn = Sitz der Lebensgefühle und Instinkte). Das Gehirn der Emotionen (Limbisches System) befindet sich zwischen den beiden. Durch das Schließen der Augen und ein bewusstes Ein- und Ausatmen können wir den Stress loslassen und haben jetzt Zugang zur Wahl einer optimalen Lösung für unser Problem.

Klärung und Neubeginn

Kehren wir noch einmal zurück zum Verlust des Haustieres und den Spiegelungen von Mensch und Hund. „Nicht der äußere Mensch, sondern der innere hat Spiegel nötig. Man kann sich nicht anders sehen als im Auge eines fremden Sehers.“ (Jean Paul) Es kann hilfreich sein, folgende Überlegungen in die kinesiologische Balance mit einzubeziehen.

• Was mag ich an mir?

• Was schätzen andere an mir?

• Auf welche Ressourcen greife ich bei Schwierigkeiten zurück?

• Für was stand mein Hund / Haustier?

• Was hat mein Hund / Haustier, für mich getragen?

• Was ich schon immer einmal tun wollte...

Die emotionale Klärung dieser Fragen dient dazu, die Chancen für einen Neuanfang zu erkennen und vielleicht noch nicht erkannte Ressourcen zu entdecken. „Erfahrung ist nicht das, was einemzustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.“ (Aldous Huxley) Unsere Hovawart-Hündin Arielle verstarb wenige Tage vor ihrem 14. Geburtstag. Zeit ihres Lebens wurde sie kinesiologisch von uns begleitet. Die Bekömmlichkeit des Futters testeten wir ebenso wie die Verträglichkeit oder nötige Dosierung von Arzneimitteln. Dabei war uns das Miteinander der Veterinärmedizin und komplementärer Methoden immer ein besonderes Anliegen. Nachdem die Veterinärmedizin unsere Hündin vor zwei Jahren nach einer unvermeidlichen Operation aufgegeben hatte, brachte die Kombination aus Kinesiologie, energetischer Wirbelsäulenaufrichtung / Arbeit und Bioresonanz Arielle wieder auf ihre vier Pfoten. O-Ton Veterinärklinik: „Wir wissen nicht, was sie angestellt haben und wir wollen es auch nicht wissen [schade, Anm. d. V.], aber Sie haben es geschafft, dass der Hund wieder laufen kann und zu Kräften kommt.“ So konnten wir noch zwei Jahre diese enge Verbundenheit von Mensch und Hund genießen ehe sich Arielle zurückzog und durch alle Sterbephasen hindurch ging, um sanft und ohne jegliches Zutun zu entschlafen. Wir sind dankbar für alle Erfahrungen, die wir in dieser Zeit und darüber hinaus mit ihr erleben durften.

Literaturhinweis

Diamond J: Die heilende Kraft der Emotionen. VAK-Verlag, 2010.

Hecht M: Wie ticken Hundehalter? Psychologie heute 07/2016, Julius Beltz GmbH & Co. KG, 2016.

Hüllenkremer S: Der Hund als Spiegel der Seele. Fred & Otto – der Hundeverlag, 2015.

Hüther G: Biologie der Angst – Wie aus Stress Gefühle werden. Vandehoeck & Ruprecht, 2014.

Keller K: Wenn Tiere gehen, Aufbruch und Abschied. http//:www.tierklinik-rhenus.ch, 2013.

Kübler-Ross E: Über den Tod und das Leben danach. Silberschnur Verlag, 2010.

Ohr R: Heimtierstudie „Wirtschaftsfaktor Heimtierhaltung“. http//:www.economics.uni-goettingen.de, 2014.

Smedley J: Tiere Gefährten meiner Seele. Aquamarin Verlag, 2015.

Stokes G, Whiteside D: Tools of the Trade. VAK Verlag GmbH, 2008.

Thie JF: Gesund durch Berühren – Touch for Health. Irisiana- Verlag, 2006.


 

Zur Autorin Jutta Binder

B.Sc. Komplementärtherapie/Kinesiologie; Heilpraktikerin. Niedergelassen in eigener Praxis. Bachelorstudiengang an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Im Rahmen des Studiums Ausbildung an der Internationalen Kinesiologie Akademie Frankfurt am Main (IKA). Therapeutische Schwerpunkte in der Praxis sind die lebensberatende und naturheilkundliche Kinesiologie. Beschäftigung mit verschiedenen Aspekten des energetischen Heilens. Repräsentantin des Europäischen Verbandes für Kinesiologie (EVfK), für die Bereiche Main-Kinzig-Kreis und Fulda.

Kontakt: Am Bruchweg 12, D-63571 Gelnhausen, www.binder-naturheilpraxis.de