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Erfolgreiche Behandlung eines KPU-Syndroms durch Psychosomatische Kinesiologie®
Autor: Dr. paed. Werner Weishaupt

Autor: Dr. paed. Werner Weishaupt

Teil 1: Was ist und wie zeigt sich eine KPU?

Die Stoffwechselstörung „KPU“ ist die Abkürzung für „Kryptopyrrolurie“. Experten sprechen lieber von: Hämopyrrollaktamurie (HPU), Kryptopyrrolurie hat sich aber eingebürgert. Dabei erscheinen verborgene (= krypto) Stoffe (= Pyrrole) im Urin und lassen sich hier durch einen gezielten Test auch schnell und sicher nachweisen. Pyrrole sind Bausteine von Porphyrin, welche zusammenmit Eisen den Blutfarbstoff Hämoglobin bilden. Die Pyrrole entstehen beimAbbau überalterter Erythrozyten. Ist der Körper imLot, bewältigt er die physiologisch anfallende Menge von Pyrrol, die dann normalerweise – gebunden an den Gallenfarbstoff – über den Stuhlgang aus dem Körper ausgeschieden wird. Beim KPU-Betroffenen fallen aufgrund einer erblich bedingten enzymatischen Störung der Blutbildung wesentlich mehr Pyrrole an als beim Gesunden. Diese werden – gebunden an Vitamin B6 und Zink – dann über den Urin ausgeschieden.

Das Problem dabei ist: Die Ausscheidung von Pyrrol – undmit ihr von Vitamin B6 und Zink – ist dadurch weit größer als die Aufnahme dieser beiden Vitalstoffe und kann selbst durch eine ausgewogene Ernährung längerfristig nicht ausgeglichen werden. Die Folge ist ein stetiger und ständig größer werdenderMangel vor allem dieser beiden Mikronährstoffe.

Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sollen von der KPU betroffen sein. Viele Menschen leben jedoch scheinbar ohne große Beschwerden mit einer Kryptopyrrolurie. Die kleinen lästigen Beeinträchtigungen werden mehr oder weniger als gegeben hingenommen und nicht in einen Zusammenhang gebracht, zumal bisherige Therapieversuche oft ohne großen Erfolg geblieben sind und meist niemand die wirkliche Ursache für Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Allergien und Unverträglichkeiten, Heuschnupfen und Hautprobleme, Stimmungsschwankungen und Links-Rechts-Unterscheidungsschwierigkeiten benennen konnte.1 Der u. a. auf die Behandlung der KPU spezialisierte Dr. med. Ulrich Kraft schreibt zu den biochemischen Hintergründen: „Fakt ist, dass durch diese Stoffwechselstörung dem Körper wichtige Nähr- und Baustoffe verloren gehen, die er bereits aufgenommen hatte. Dies gilt insbesondere für

Zink: Es hat weit über 300 nachgewiesene Stoffwechselaufgaben. Wichtige Funktionen für den Körper hat es durch seine antioxidative Wirkung, für den Auf- und Abbau von Kohlenhydraten, Fetten, Eiweiß und Nukleinsäuren, für die Regulierung des Blutzuckerspiegels, für die Zellneubildung, das Nervensystem, das Immunsystem, die Haut, den Vitamin A-Stoffwechsel und vieles mehr.

Vitamin B6: Ebenfalls Beteiligung an fast allen Stoffwechselprozessen: Eiweißstoffwechsel, Stoffwechsel des zentralen Nervensystems, unterstützt das Immunsystem, Bildung von Hämoglobin, absolut wichtig für die Zellteilung, Bildung des Neurotransmitters Serotonin (steuert psychisches Wohlbefinden und einen ausgeglichenen Schlaf). Problematisch an einem Mangel an Vitamin B6 ist, dass nun Mineralien wie Zink, Mangan, Magnesium und Chrom nur vermindert aufgenommen werden können.“2

Auch die Verwertung anderer Vitamine – wie z. B. des Nervenvitamins B12 – ist bei Betroffenen eingeschränkt. All das kann nun zu einer Vielzahl von medizinischen und psychischen Problemen führen, da jeder dieser Stoffe für unser Leben, Funktionieren und Wohlbefinden wichtig ist. Dr. Kraft schreibt weiter: „Störungen der Entwicklung und der Psyche werden meist einseitig als Hirnfunktionsstörungen angesehen. Das Nervensystem des Menschen ist keine PC-Festplatte und fast alle Vorgänge im Gehirn sind auch biochemischer Art. Dafür benötigt das Nervensystem bestimmte Nährstoffe. Ohne diese ist eine Übermittlung und Verankerung von Informationen nicht möglich. Seit Jahrzehnten sind Wissenschaftler auf der Suche nach Substanzen zur Erklärung von psychiatrischen Krankheiten (zum Beispiel „ADHS“, Autismus, Schizophrenie, Depression und viele mehr). Kryptopyrrolurie ist eine derwenigen psychiatrischen Auffälligkeiten, deren Ursache durch einen einfachen Labortest zu finden und zu behandeln ist.“2

Stattdessen werden betroffene Patienten und manchmal auch ihre Therapeuten in die Ecke der „eingebildeten Kranken“ und ihrer Helfer gesteckt, die Existenz des KPU-Syndroms überhaupt geleugnet, obwohl die richtige Therapie für absolute Beschwerdefreiheit sorgen kann!3

So ging es auch der Patientin, die uns ihren Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt hat. Ann-Kathrin schreibt: „Das Gefühl, dass etwas nicht stimmen könnte, hatte ich schon länger. Eine Untersuchung seitens der Hausärztin und ein großes Blutbild brachten jedoch kein Licht ins Dunkel. Die Werte waren alle normal und meinem Wunsch, doch die Vitamine und Mineralstoffe zu testen, wurde nicht entsprochen. Es hieß, wenn die Werte des Blutbildes alle in Ordnung seien, gäbe es keine Indikation. Aber ich litt täglich mehr oder weniger unter folgenden Symptomen:

– Kopfschmerzen

– spontane Durchfälle

– chronische Müdigkeit

– Energie- und Antriebslosigkeit

– Rücken- und Gliederschmerzen (als ob man einen Infekt bekommt)

– immer wieder auftauchender Fließschnupfen, gepaart mit häufigem Niesen, sodass ich dachte, ich hätte Heuschnupfen (was im Winter allerdings nicht sein konnte!?).

Ungefähr ein Jahr später waren Durchfälle an der Tagesordnung und meine Konzentrationsfähigkeit hatte so abgenommen, dass ich kaum noch in der Lage war, meine Arbeit zu erledigen, ohne gravierende Fehler zu machen. Als mir dann einmal der Name eines Kollegen, der direkt vor mir stand und mit welchem ich täglich zu tun hatte, nicht einfiel, war klar, dass eben mitnichten „alles in Ordnung“ war. Auf Empfehlung ging ich zu einer anderen Ärztin (Allgemeinmedizinerin, ausgebildet in Homöopathie), welche durch umfangreiche Stuhl-, Urin- und Blutuntersuchungen herausfand, dass ein Mangel an Calcium, Kupfer, Zink, Selen, Vitamin B 12 und Vitamin D vorlag. Ebenso ließen die Entzündungswerte darauf schließen, dass eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms vorlag. Mit dieser gingen zahlreiche Lebensmittelunverträglichkeiten einher, z. B. gegen sämtliche glutenhaltigen Getreidesorten. Außerdem wurde eine Histaminabbaustörung diagnostiziert, was den Fließschnupfen mit den Niesattacken und die Kopfschmerzen erklärte. Die Therapie bestand darin, sämtliche fehlenden Vitamine und Mineralstoffe zu substituieren. Vitamin B 12 wurde anfangs wöchentlich gespritzt, weil der Mangel gravierend war. Dazu kamen verschiedene Präparate, um den Darm zu sanieren (Glutamin, Activomin, Omnibiotic), sowie eine Ernährungsumstellung – angepasst an die diversen Unverträglichkeiten und die Histaminintoleranz.

Nach ca. drei Wochen spürte ich eine deutliche Besserung meines Befindens. Ein Jahr später waren viele Symptome weg oder wesentlich besser. Die erneute Blutuntersuchung ergab jedoch immer noch einen unveränderten Zinkmangel trotz Substitution. So wurde auf Kryptopyrrolurie getestet (obwohl die B-Vitamine nun alle im normalen Bereich lagen). Der Verdacht bestätigte sich und es wurde ein Kombivitaminpräparat verschrieben, welches extra für KPUler entwickelt wurde. Dies nahm ich parallel mit Zink ein. Ein Test nach einigen Monaten ergab wiederum keine Verbesserung der Zinkwerte. Irgendwann war ich es leid, ständig etwas einzunehmen, ohne dass es half und so nahm ich nur noch sporadisch Ergänzungspräparate. Ein Teil der Symptomatik blieb bestehen, dazu eine erhöhte Infektanfälligkeit, sodass ich jede Erkältungswelle unfreiwillig „mitnahm“. Ein resignatives Grundgefühl begleitetemich und legte sich lähmend auf die meisten Alltagsaktivitäten, seien sie privater oder dienstlicher Natur.“

Bei Ann-Kathrin hatte diemedizinische Diagnose und (Weiter-)Behandlung in ärztlicher Hand gelegen. Weil jedoch der Gesundungsprozess stagnierte, war sie bereit und regelrecht auf der Suche, auch noch die anderen Ebenen einzubeziehen. Und dawirmit der Psychosomatischen Kinesiologie® bestrebt sind, ganzheitlich vorzugehen, rückten so seelische und soziale Belastungsfaktoren der Patientin ins Blickfeld. Das genaue Vorgehen mit dieser Methode wird in Teil 2 des Artikels geschildert.

Der Beitrag wird in CO.med fortgesetzt.


1 vgl. elmar-schuerr.de/wichtigste-therapien/kryptopyrrolurie

2 vgl. www.kpu-hilfe.de/ursachen

3 vgl. www.arznei-telegramm.de/html/sonder/1210087_01.html


 Zum Autor Dr. paed. Werner Weishaupt

ist Dozent und Heilpraktiker für Psychotherapie und Kinesiologie. Er ist Leiter der „Praxis im Zentrum für Psychotherapie und Kinesiologie” in Salzgitter. In seiner eigenen therapeutischen Tätigkeit liegt der Schwerpunkt bei der Psychosomatische Kinesiologie für Erwachsene und Kinder sowie der Gruppenarbeit und Supervision. Dr. Weishaupt ist vielen Kollegen bekannt durch seine Vorträge und Seminare bei den regelmäßig stattfindenden Psychotherapie-Symposien des „Verbandes Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.“, dessen Präsident er seit 2003 ist. Darüber hinaus ist er Mitglied im erweiterten Vorstand des Europäischen Verbandes für Kinesiologie (EVfK).

Kontakt: Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V., Lister Str. 7, D-30163 Hannover, dr.weishaupt@vfp.de, www.vfp.de