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Homöopathische Wirkungsweise von Mineralien, Pflanzen und Tieren und ihr Bezug zu den drei chronischen Krankheiten Hahnemanns
Autor: Dr. rer. nat. Dipl.-biochem. Karin Lenger
Entwicklung eines biochemischen, biophysikalischen und homöopathischen Wirkungsmodells (Teil 2)

Hahnemann ordnete die Symptome seiner Patienten drei großen Krankheitstypen zu (Psora, Sykose und Syphilis), da sie den drei großen Seuchen Krätze, Gonorrhoe und Syphilis ähnelten. Diese adaptierten sich in der DNS und werden als Disposition vererbt, sodass der hereditäre Anteil darüber entscheidet, ob der Patient ein Psoriker, Sykotiker oder Syphilitiker ist. Auf dieser Grundlage entwickeln sich die akuten Erkrankungen. Auch jedes homöopathische Mittel beinhaltet Symptome aller drei chronischen Erkrankungen; der Hauptanteil entscheidet, ob es ein psorisches, sykotisches oder syphilitisches Mittel ist. Ebenso kann sich die Erkrankung innerhalb eines AMB vom psorischen über den sykotischen bis in den syphilitischen Zustand entwickeln.

Sykose

Die sykotischen Symptome der Patienten ähneln denen nach einer durchgemachten Urethritis, die sich durch eine Gonorrhoe oder durch eine Infektion mit Chlamydien entwickeln kann. Die sogenannten Feigwarzen entstehen im Genitalbereich nach einer Chlamydienerkrankung. Hahnemann nannte diese Erkrankung Sykose, Feigwarzenerkrankung. Beide Erkrankungen kommen häufig miteinander vor. Deswegen besteht der Genitalextrakt eines Erkrankten, aus dem die NosodeMedorrhinumhergestellt wird, aus einer Mischung von Chlamydien und Neisseria Gonorrhoe. So wird verständlich, dass die Nosode Medorrhinum bei ererbten (Feig-)Warzen hilft. Beide Erkrankungen beginnen zuerst an den Genitalien, verbreiten sich dann über den Unterleib, steigen dann hoch zur Niere / Nebenniere, zur Leber und Magen. Gallenleiden, Gicht, Rheuma, Steinleiden, Hyperplasie sind die Folgen. Schließlich wird das gesamte endokrine Drüsensystem erfasst, was zur Erkrankungen des Nervensystems führt. Die Sykose ist die Erkrankung des vegetativen Nervensystemsmit hochgradiger Nervosität, die durch ständige Überforderung von sich und anderen, durch Stress, entsteht.

Perfekte Pflichterfüllung führt zum Identitätsverlust. Es entwickelt sich der Neurotiker mit ständiger Gereiztheit und Hypochonder mit Versagensängsten, Wutausbrüchen und Fremdbestimmtheit. Der Erwachsene mit extremem Geltungsbedürfnis hat etwas aufgebaut, möchte etwas leisten, den Job erhalten, mehr Geld verdienen, ein größeres Auto als der Nachbar haben und eine feudalere Urlaubsreise machen. Das materiell Erarbeitete gilt. Das, was man sehen kann. Auch wenn hohe Kredite dafür aufgenommen werden, bis die „Aufplusterung“ von selbst platzt. Kurz gesagt: der Sykotiker ist ein Angeber – „The show must go on.“ Sykotische Mütter studieren Literatur über Kindererziehung und wollen dann alles perfekt durchziehen, ohne auf die Wünsche und die Gefühle des Kindes zu achten. Gluckenmütter, die dem Kind keine Freiheit zur Eigenentwicklung lassen; nicht nur dem Kind, sondern auch dem Ehemann, der meistens reich ist. Sollte eine mangelnde Empfängnisbereitschaft vorliegen,was manchmal vorkommt, dann werden nur bekannte Ärzte aufgesucht, um künstliche Befruchtungen vornehmen zu lassen.

Unbegründete, eingebildete Leiden und Ängste vor der Zukunft, ständiges Nörgeln um Nichts; aus der Mücke einen Elefanten machen, das ist der typische Sykotiker.

Die Erbnosode: Medorrhinum, Chlamydien

Medorrhinumist die Erbnosode mit folgenden Leitsymptomen als Haupterkrankungen, die dann in der Übersicht für alle sykotischen Mittel gelten. Die sykotischen Arzneimittelbilder sind hauptsächlich Pflanzen mit nicht tödlichen Giften.

Thuja ist ein Hauptmittel der Sykose, ihre Giftstoffe sind ätherische Öle. Hier ist die Selbsterkenntnis schwer. Eine große Schwierigkeit, sich selbst zu identifizieren, zu finden, liegt vor. Man weiß nicht, wer man ist, undmacht andere nach. Ein gestörter Fetthaushalt (Galle, Leber) liegt hier zugrundemit fettiger Gesichtshaut undmit Lipödemen (Tumoren).

Belladonna hat die Hauptinhaltsstoffe Atropin und Hyoscyamin, die die Pupillen erweitern, da es den Acetylcholinrezeptor an der post-Nervensynapse reversibel hemmt. Der Augenarzt erweitertmit Atropin die Pupillen, um den Augenhintergrund untersuchen zu können, nach ein paar Tagen sind die Symptome wieder von alleine verschwunden. Es ist ein Fieber- und Entzündungsmittel mit Delirien, mit pulsierenden Schmerzen, geröteter Haut und Schweißen. Viele Gallenmittel wie Berberis vulg., Carduus marianus, Capsicum, Mandragora helfen bei Verdauungsbeschwerden.

Für die Mittelfindung ist es von großer Bedeutung, dass fast alle sykotischen AMB die psychische Symptomatik gemeinsam haben: Stress, Pflichterfüllung, Identitätskrisen, Beginn der schizoiden Symptomatik, Wutausbrüche mit Gewalttätigkeit; ebenso ist auch die Körpersymptomatik ähnlich. Deshalb braucht auch nur die spezifische Leitsymptomatik der Einzelmittel beim Verdacht auf ein sykotisches Heilmittel abgefragt zu werden.

Die hier gezeigten Pflanzen, die sykotische Symptome in der Arzneimittelprüfung erzeugen, sind keine tödlichen Gifte. Die Giftwirkung ist reversibel. Nach der Sykose folgt die Syphilis:

Lues / Syphilis

Die Lues / Syphilis ist die Krankheit der Zerstörung der Dyskrasie; es erfolgt Zerstörung an Leib und Seele. Es ist die Krankheit des Zerfalls. Durch Geschlechtsverkehr werden Spirochäten, Treponema pallidum und Borrelia burgdorferi, übertragen; letztere auch beim Zeckenbiss. Sie sind in keiner Kultur haltbar und zerfallen. Die Krankheit entwickelt sich über viele Jahrzehnte in großen Stadien mit langen Latenzzeiten dazwischen, die Gesundheit vorgaukeln. Arsen-, Quecksilberprärate und Antibiotika helfen. Ob sie aber den Erreger im Organismus wirklich erreichen ist die große Frage. Er zieht sich irgendwie in das Bindegewebe zurück und bildet Gummata. Dann kann auch sein Antikörpertiter nicht gemessen werden. Der nächste Schub kommt bestimmt bei Stress, Anstrengung und Schock. Bekannt sind die dazugehörigen Erkrankungen: Exantheme an Haut und Schleimhaut, Kondylome, Papeln am After, Eiterungen, Geschwüre, Gummata im Bindegewebe brechen auf, Unterschenkelgeschwüre, Leber-und Milzschwellungen, Durchfälle, Gelenkschmerzen, Anämien, Gehörgangs- und Nebenhöhlenentzündungen, Thrombosen, Krampfadern, Aorta-Aneurysmen, Herzentzündungen, Adnexitis, Epididymitis, Nervenentzündungen, Lähmungen, Schädigungen des Nervus opticus, Iritis, Pupillenstarre, Lähmungen der Gehirnnerven, Epilepsie, Meningitis, Tetraplegie, Zerstörung des Nervensystems, MS, ALS, Alzheimer, Parkinson, Creutzfeld-Jakob.

Der Luetiker ist ein Energiesauger, Außenseiter, Macht-Besessener, Besitzgieriger, heimtückischer Fanatiker, chaotisch und aggressiv, gewissenlos, extrem böswillig und eifersüchtig. Er „flippt aus“ mit extremer Zerstörungswut einerseits. Andererseits hat er tiefste Depressionen, ist lethargisch mit einer totalen Lebensverachtung und Gleichgültigkeit gegen sich und andere. Deshalb kann er zum Selbstmörder oder Mörder werden, obwohl gleichzeitig Todesangst und Panik vorherrschen können. Den Luetiker wird man nicht los. Er klebt regelrecht an einem, wiederholt sich dauernd, findet ständig etwas, was er noch sagen kann, damit der andere nicht geht, weil er Angst vorm Alleinsein hat. Die Zuhörer fühlen sich wie erschöpft, wie ausgehöhlt. Auslöser eines luetischen Zustandes können Schreck, Schock, Panikzustände, auch Medikamente sein.

Die Lues ist ein geriatrischer Zustand, Dyskrasie genannt, und folgt auf die Sykose.

Im Alter wird all das, was in der Psora aufgebaut wurde, abgebaut und zerstört: Knochen, Zähne, Nerven (Polyneuropathien, MS, Lähmungen usw.), innere Organe, Haut, ebenso auch die geistige Ebene – dies ist das Hauptmittelbild der Syphilis. Mercurius ist das Hauptmittel der Syphilis, da die Quecksilbervergiftungssymptome mit Lymphdrüsenschwellungen und einer Zerstörung der inneren Organe, Haut, Schleimhaut und Knochen denen der Syphilis ähneln. Auf der psychischen Ebene ist eine vollständige Gleichgültigkeit vorhanden.

Der Beitrag wird in CO.med fortgesetzt.


Zur Autorin Dr. rer. nat. Karin Lenger

Dipl.-Biochemikerin und Heilpraktikerin. Seit 1997 eigene Naturheilpraxis für klassische Homöopathie in Offenbach. 12 Jahre wissenschaftliche Assistentin an derMedizinischen Universität in Lübeck (Forschungsschwerpunkte: Krebsforschung, Epigenetik, Neurologie und Liquordiagnostik). Lehrauftrag an der Fachhochschule Lübeck für Elektroingenieure und Maschinenbauer. 1987 bis 1994 Fortbildungsreferentin für Homöopathie der DHU. Entwicklung einer biochemischen homöopathischen Therapie, indem Substrate, reversible und irreversible Inhibitoren und Enzyme des pathologischen Stoffwechsels in Hochpotenzen eingesetzt werden. Entdeckung von Photonen durch magnetische Resonanz in homöopathischen Potenzen und Entwicklung eines biochemisch-biophysikalischen Wirkungsmodells der Homöopathie.

 Kontakt: Kaiserstr. 28, D-63065 Offenbach, dr.karin.lenger@t-online.de