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Homöopathische Wirkungsweise von Mineralien, Pflanzen und Tieren und ihr Bezug zu den drei chronischen Krankheiten Hahnemanns
Autor: Dr. rer. nat. Dipl.-biochem. Karin Lenger
Entwicklung eines biochemischen, biophysikalischen und homöopathischen Wirkungsmodells (Teil 1)

Homöopathie heilt als ganzheitliche Methode gleichzeitig psychische und körperliche Erkrankungen. Die Heilmittel werden nach Hahnemanns (1755-1843) Ähnlichkeitsregel: „Similia similibus curentur“ bestimmt (publ. 1796). Der Patient entwickelt Symptome von Kopf zu Fuß, alswenn er von einer bestimmten Substanz vergiftet worden wäre, welche hochpotenziert das Heilmittel ist. Die Symptome der tatsächlichen Vergiftung ähneln denen des Patienten. Zum Beispiel ähneln die Symptome, die beim Zwiebelschneiden entstehen, dem Schnupfen / Heuschnupfen: beißender Tränenfluss und / oder eine schniefende Nase. Vereinfacht ist dies eine Arzneimittelprüfung (AMP) oder Vergiftung am Gesunden. Die körperlichen und psychischen Vergiftungssymptome ergeben das Arzneimittelbild (AMB) aufgelistet nach dem Kopf-zu-Fuß-Schema. Der Schnupfen-Kranke bekommt nun die potenzierte Zwiebel Allium cepa D/C30 als Heilmittel, welches nach dem HAB (Homöopathisches Arzneibuch) hergestellt wird (Mehrglasmethode). Hochpotenziert bedeutet, dass nach 24 oder 12 Verdünnungsschritten 1:10 (D-Potenz) oder 1:100 (CPotenz) einer alkoholischen Urtinktur keine materielle Substanz mehr enthalten ist, da die sogenannte Avogadro-Konstante (6,02 x 1023 Teilchen /Mol) überschritten ist. Hinter jedem Verdünnungsschritt wird zehnmal kräftig mit der Hand geschüttelt (dynamisiert). Ausschlaggebend für die Heilkraft ist die Anzahl der Schüttelschläge, nicht die Konzentration. Deshalb ist eine D30 einer C30 gleichzusetzen. Noch höhere Potenzen wie LMK (50M), CMK (100M) oder MMK (MM) (latein.: L = 50, C = 100, M = 1000, K = Korsakoff) werden maschinell geschüttelt (z. B. 50M x 10 Schüttelschläge) und haben keine Konzentrationsangaben. Nach der Herstellung einer Potenz wird diese abgegossen, ein Tropfen bleibt am Glas hängen. Mit Alkohol wird wieder auf das ursprüngliche Volumen aufgefüllt und zehnmal maschinell geschüttelt (Einglasmethode).

Wie können Homöopathika ohne materielle Inhaltsstoffe heilen?

Eine Art von Information soll vom homöopathischen Arzneimittel auf den Patienten übertragen werden.

Inspiriert von Prof. F. A. Popps Idee, dass die Homöopathie als elektromagnetische Energie nach demResonanzprinzip wirkt, wies die Autorin Photonen in homöopathischen Hochpotenzen mit magnetischen Resonanz-Methoden nach. [1-5]

Aufgrund dieser Forschungsergebnisse entwickelte sie ein biochemisch-biophysikalisches Wirkungsmodell der Homöopathie. Hahnemanns Lehre von den chronischen Krankheiten (Miasmenlehre, [6]) weist einen Weg, in welcher Weise homöopathische Potenzen vonMineralien, Pflanzen und Tiergiften therapeutisch angewendet werden können. Inwieweit stimmt dieses naturwissenschaftlich- homöopathische Wirkungsmodell mit Hahnemanns Lehre überein?

Was ist Krankheit, was ist Heilung?

Die Homöopathie nimmt als Ursache einer Erkrankung immer ein psychisches Problem an. Kann dieses nicht gelöst werden, manifestiert es sich auf körperlicher Ebene als Krankheit. Während der Zeit wird sie chronisch und durchläuft verschiedene Krankheitsstufen. Jede dieser Stufen bedeutet ein homöopathisches Arzneimittelbild mit seiner Symptomatik. Imchronischen Stadiumhat der Kranke eine Mischung von Symptomen verschiedener Mittelbilder.

Heilung bedeutet ein Rückwärtsgehen in der Erkrankung, d. h. vomchronischen in den vormals akuten Zustand.

Währenddessen muss nach dem letzten Mittelbild gesucht werden, dann nach dem vorletzten bis hin zu demjenigen, das zu Beginn der psychischen Erkrankung passend war. Die Summe der Similes gibt körperliche Gesundheit und Kraft, um Ideen zu entwickeln, wie das Problem gelöst werden kann.

Chronische Krankheiten nach Hahnemann – Welche Rolle spielt die Vererbung?

Hahnemann verwendete Mineralien, Pflanzen und Tiergifte als homöopathische Mittel. Nach welchen Regeln sind diese anzuwenden? Hahnemann merkte, dass seine Patienten immer wieder erkrankten. Er ordnete seine Patientenakten nach bestimmten Krankheitssymptomen und fand dabei drei große Krankheitstypen, die er Psora, Sykose und Syphilis nannte. Er entdeckte, dass die Krankheitssymptome denen dieser drei Seuchen ähnelten. Sie werden durch Miasmen (Erreger) verursacht. Die psorischen Symptome ähneln der Krätze und dem Aussatz (Lepra), die sykotischen Symptome ähneln der Gonorrhoe und der nicht-gonorrhoeischen Urethritis, verursacht durch eine Chlamydieninfektion und die syphilitischen Symptome ähneln der Lues oder Syphilis. Diese drei Seuchen, die in vergangenen Zeiten grassierten, adaptierten sich im genetischen Material (DNS) jedes Menschen. Und sie werden als Disposition, ähnliche Erkrankungen zu entwickeln, vererbt. [7-9] Dies sind die chronischen Erkrankungen. Während des Lebens entwickeln sich auf dieser Grundlage die akuten Erkrankungen. Der hereditäre Anteil von Psora, Sykose und Syphilis entscheidet, ob es sich bei dem Patienten um einen Psoriker, Sykotiker oder Syphilitiker handelt, welche Art von Erkrankungen er entwickeln wird und welche homöopathischen Mittel er braucht, um zu gesunden.

Auch jede homöopathische Arznei beinhaltet Symptome aller drei chronischen Erkrankungen, sodass es möglich ist, dass die Erkrankung sich bis zur zerstörenden Syphilis im selben AMB entwickeln kann. Der Anteil an psorischen, sykotischen und syphilitischen Symptomen entscheidet darüber, ob es sich um ein psorisches, sykotisches oder syphilitisches Mittelbild handelt. Darüber hinaus gibt es auch bei gleichen Anteilen z. B. psorisch-syphilitische oder sykotisch-syphilitische Mittelbilder.

Aconitum napellus ist ein Beispiel für ein psorisch-syphilitisches Mittel: Es heilt auf der einen Seite den Kopfschmerz, der durch einen kalten Windzug entstanden ist; es ist der Beginn einer Erkältung, eventuell mit trockenem Fieber – alles psorische Symptome. Auf der anderen Seite heilt es auch schmerzhafte syphilitische Nervenentzündungen und Neuralgien. Aconitin, ein Nervengift, ist bereits bei einer Dosis von 6 μg tödlich. Gewöhnlich beginnt eine Erkrankung mit einem psorischen Problem, z. B. Nichtanerkennung (Sulphur) oder Trauer (Phosphorus), das ein Ungleichgewicht der Mineralsalze und der Elemente wie Sulphur und Phosphor imbiochemischen Stoffwechsel verursacht.

Psora: Der Mineralsalzmangel

Die typischen juckenden Hauterkrankungen sind sowohl der Krätze ähnlich als auch der Lepra. Die Scabies-Milbe gräbt ihre Gänge in der Haut, was zur „Kratzkrankheit“ führt. Der Lepra-Erreger (Mycobacterium leprae) entwickelt zwei Arten von Erkrankungen: den lepromatösen Typus und den tuberkuloiden Typus. Daraus ergeben sich folgende ähnliche Erkrankungen wie Lymphknotenschwellungen, grippale Infekte, Hauterkrankungen, Entzündungen der Schleimhäute, Bronchitiden, Bindegewebsschwäche, Nierenerkrankungen, Nervenschmerzen, septische Zustände und Knochenveränderungen. Nur der Beginn solcher Krankheiten wird einem psorischen Zustand zugeordnet, der schwierige, chronische Zustand ist der syphilitische Teil.

Es ist die Erkrankung des Ektoderms, aus dem sich unter Kalzium-Katalyse Haut, Nerven und Immunsystem entwickeln. Folglich ist diese Schwäche angeboren und zeugt von Mineralsalzmangel oder dessen nicht richtiger Verwertung oder Aufnahme im Organismus.

Viele Kinder brauchen während ihrer Entwicklung psorische Mittel z. B. für Erkältungen, Heuschnupfen, für Haut-, Knochenund Zahnentwicklung, für juckende Ekzeme und für Verdauungsstörungen. Auf psychischer Ebene haben wir einen sehr entscheidungsschwachen, gehemmten und sehr leicht beeinflussbaren Menschen, der von Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen geplagt ist. Organe, Zellen und Psyche zeigen einen Zustand von Unzulänglichkeit. Durch sein Verhalten fordert er Mitleid und Zuneigung. Antriebsschwach gibt er ständig den anderen die Schuld an seiner Misere. Er ist der gemütliche Mensch, der gern amBiertisch sitzt, sitzt und sitzt ... er ist so bequem, dass er nicht rechtzeitig aufsteht, um zu gehen. Da Faulheit auch recht genossen wird, denkt der Psoriker daran, zur Ausführung seiner Arbeiten andere zu benutzen. Im Delegieren von Arbeit ist er Meister! Was den Psoriker gesund macht, ist Stress: Die völlige Verschlackung auf körperlicher und geistiger Ebene wird durch einen Adrenalinstoß wieder in Bewegung gesetzt. Dieser bessert in körperlicher und geistiger Hinsicht. Diese Anlagen sind allen Psorikern gemeinsam und demnach jedem psorischen Mittel zuzuordnen. Es erübrigt sich also, extra in der Anamnese danach zu fragen.

Die Erbnosode: Psorinum

Die Erbnosode Psorinum beinhaltet als Arzneimittelbild alle Symptome der Psora, deren charakteristische Erkrankungssymptome finden sich in den einzelnen psorischen AMB als Haupterkrankung wieder (s. Tab. 1).

Biochemie nach Dr. Schüßler

Nicht nach der „Simile-Regel“, sondern nach ihrer Funktion im Stoffwechsel, nach ihrer Indikation, setzte Dr. Schüßler (1821- 1898) als erster Homöopath potenzierte Mineralsalze in D3, D6, und D12 ein. Hiermit stand er im krassen Gegensatz zum ganzheitlichen Denken der Homöopathie. Er nannte seine Therapie „eine abgekürzte homöopathische Therapie“, die „Biochemie nach Dr. Schüßler“. Anfangs dachte er in seiner Euphorie, dass alle Krankheiten damit geheilt werden können. Diese Biochemische Therapie benutzt nur Tiefpotenzen. Sie erleichtert die Aufnahme der betreffenden Mineralien und entsprechend ihrer Funktion den physiologisch-chemischen Einbau imOrganismus. Durch Energiezufuhr mit der homöopathischen Potenz werden „angeregte Zustände“ in den Molekülen des Stoffwechsels geschaffen, so dass die materiellen Substanzen umgesetzt werden können. Homöopathische Potenzen sind die „Türöffner“ für den Einbau der materiellen Substanz.

Allerdings ist nicht verständlich, warum die Homöopathen nicht dieselbe Funktion von den Mineralien in Hochpotenzen annehmen. Ihre Anwendung würde dann bedeuten, dass das entsprechende Mineral beim Patienten in seiner Funktion sehr tiefgehend gestört ist. Ebenso auch die psychische Ebene, sodass Mineralien in Hochpotenzen zur ganzheitlichen Heilung erforderlich werden.

Das psorische Hauptmittel ist Sulphur, der Philosoph und kreative Mensch, der gewürdigt werden möchte, dies ihm aber nicht zuteilwird, was zum Auslöser seiner Erkrankung wird. Die Verschlackung auf allen Ebenen führt zur Übersäuerung und dadurch zu einemVerlust der Kationen wie Ca++, Na+, K+, Mg++ Die von ihnen abhängigen Enzyme sind dann blockiert. Es entstehen Ekzeme sowie Erkrankungen an Haut, Schleimhaut und Knochen. Häufig ist Calcium carbonicum das Folgemittelbild, die der anderenMineralien folgen bei weiterer Erkrankung.

Phosphor ist am Zucker- und Fettstoffwechsel beteiligt und damit am Nervensystem, das zum großen Teil aus Fetten und Zuckern aufgebaut ist. Somit ist auch Phosphorus ein wichtiges psorisches Mittel. Nicht umsetzbare idealistische Ideen, Trauer und Kummer lassen Zucker- und Fettstoffwechsel erlahmen. Graphites, Kohlenstoff, Silicea und Silicium sind Strukturmittel des Körpers. Kohlenstoff und Silicium stehen im Periodensystem der Elemente in der IV. Hauptgruppe untereinander und gehen mit sich selbst, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff Atombindungen ein. Sie bilden lange Ketten und dadurch die Struktur eines lebenden Wesens. Die psorischen Anfangserkrankungen sind deshalb auch Festigkeitsprobleme der Haut, Schleimhaut, des Bindegewebes, der Knochen und Sehnen. Ihre Zerstörung, verbunden mit Eiterungen und Abbau, sind dann deutliche luetische Symptome. Typische psorische Mittelbilder sind die Mineralsalze und Elemente, die im Körper ihre Funktion haben. Für fiebrige Anfangserkältungen werden auch Pflanzen wie Aconitum und Belladonna angewendet. Die Weiterentwicklung der psorischen Erkrankung führt in sykotische Zustände.

Der Beitrag wird in CO.med fortgesetzt.


 

Zur Autorin Dr. rer. nat. Karin Lenger

Dipl.-Biochemikerin und Heilpraktikerin. Seit 1997 eigene Naturheilpraxis für klassische Homöopathie in Offenbach. 12 Jahre wissenschaftliche Assistentin an derMedizinischen Universität in Lübeck (Forschungsschwerpunkte: Krebsforschung, Epigenetik, Neurologie und Liquordiagnostik). Lehrauftrag an der Fachhochschule Lübeck für Elektroingenieure und Maschinenbauer. 1987 bis 1994 Fortbildungsreferentin für Homöopathie der DHU. Entwicklung einer biochemischen homöopathischen Therapie, indem Substrate, reversible und irreversible Inhibitoren und Enzyme des pathologischen Stoffwechsels in Hochpotenzen eingesetzt werden. Entdeckung von Photonen durch magnetische Resonanz in homöopathischen Potenzen und Entwicklung eines biochemisch-biophysikalischen Wirkungsmodells der Homöopathie.

 Kontakt: Kaiserstr. 28, D-63065 Offenbach, dr.karin.lenger@t-online.de