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Die Zähne und ihre Zuordnung zu den Fünf Elementen, Meridianen und Emotionen
Autor: Ingeborg L. Weber MSc

Autorin: Ingeborg L. Weber MSc

Kinesiologische Korrekturen mit den Trigger-Points (Teil 1)

Kein anderes Organ ist im Wandel des Lebens so vielen Veränderungen unterworfen wie die Zähne. Ihre Bedeutung für den gesamten Organismus wird oft unterschätzt.

Das Baby wird geboren mit der Zahnanlage. Sehr individuell durchläuft es den Zahnungsprozess, dessen Zeitpunkt und Dauer höchst unterschiedlich sind. Bei einigen Babys erscheinen die Milchzähne vollkommen unbemerkt in der gewöhnlichen Reihenfolge – bei anderen Babys ist das Zahnen mit heftigen Zahnschmerzen, Speichelfluss, ja sogar mit Fieber und Verdauungsproblemen verbunden.

Parallel zum Schuleintritt findet in der Regel der Zahnwechsel statt. Die Milchzähne fallen aus, und die bleibenden Zähne wachsen nach. Je nach Individualität des Kindes wird dieser Verlust – ein Symbol des Wachsens und des Neubeginns – verarbeitet. Oft wird das „Mäusezähnchen“ als Talisman ein ganzes Leben lang aufbewahrt.

Die Lebensdauer der bleibenden Zähne hängt ab von der genetischen Disposition, der Pflege, der Ernährung, dem allgemeinen Gesundheitszustand und der Stressverarbeitung mit den Unwägbarkeiten des Lebens – so beziehen sich einige Redensarten auf die Zähne: Mit den Zähnen knirschen, mit den Zähnen klappern, Festbeißen, auf den Zahn fühlen u. a.

Wiederum sehr individuell müssen die Zähne aus den verschiedensten Gründen gezogen werden. Allmählich – oft über Jahre hinaus – vollzieht sich wieder ein Zahnwechsel, diesmal von den zweiten zu den dritten Zähnen. Auch mit diesem Verlust in höherem Lebensalter gehen die Menschen höchst unterschiedlich um. Manche Patienten können sich überhaupt nicht an das neue Gebiss gewöhnen. So wollte sich ein Patient zum fünften Mal ein neues Gebiss anfertigen lassen, da er mit keinem zurechtkam. Seine Zahnärztin ließ die Hintergründe kinesiologisch testen. Als Ursache zeigte sich ein Vater- Sohn-Konflikt, den der Patient bestätigte mit den Worten: „Ich habe mir die Zähne daran ausgebissen!“ Die Empfehlung der Zahnärztin lautete, zunächst dieses Problem zu lösen.

Wenn therapeutische Möglichkeiten in der Praxis nicht richtig greifen, liegt das oft daran, dass der Mensch in seinen Regulationsmechanismen blockiert ist.

Empfohlen wird daher, zunächst zu überprüfen, ob der Patient einen Zahnherd hat. Zahnherde können für den gesamten Organismus sehr belastend sein und die Blockade der Regulationsmechanismen verursachen. Solange der Zahnherd besteht, machen die therapeutischen Bemühungen keine Fortschritte. Den gleichen Effekt können auch tote Zähne hervorrufen. Wichtig ist, die Patienten zu einem ganzheitlich arbeitenden Zahnarzt zu überweisen. Stellt sich durch Funktionskreislokalisieren heraus, dass der Zahnherd durch ein emotionales Problem belastet ist, ist die strukturelle Ebene obsolet. Stattdessen sollte auf der emotionalen Ebene gearbeitet werden.

Funktionskreislokalisieren ist eine Grundlagentechnik in der Kinesiologie, die mit einem funktionierenden Indikatormuskel sondiert wird.

Das Berühren des beherdeten Zahnes bzw. das Sondieren mit einer Testampulle auf dem Akupunkturpunkt KG 6 schaltet den Indikatormuskel ab. Das gleichzeitige Berühren der neurovaskulären Punkte der beiden Stirnbeinhöcker löst einen Indikatorwechsel aus, d. h. der zuvor abgeschaltete Muskel schaltet nun an. Die Verbindung zu einem emotionalen Problem ist hergestellt.

Es hat sich bewährt, bei einer Zahnbehandlung als Hilfe zur Selbsthilfe auch die neuronalen Triggerpunkte zu massieren, da dies zu einer schnellen Heilung beitragen kann.

Möglich ist auch, dass die Zahnschmerzen eine strukturelle Ursache haben gekoppelt mit einem emotionalen Problem. Hier kann durch Indikator-Muskeltesten herausgefunden werden, ob das Problem eins nach dem anderen gelöst werden soll oder ob beide gleichzeitig angegangen werden sollen. Die im Folgenden dargestellten Fallbeispiele stellen den Praxisbezug her. Da nicht zu jedem Meridian bzw. Organ ein Beispiel aus dem Zahnbereich existiert, wurden auch andere organbezogene interessante Fälle herangezogen.

Die Hauptmeridiane und ihre Emotionen

In der Kinesiologie wurden die klassischen chinesischen Emotionen der Fünf-Elemente- Lehre noch erweitert und neue Erkenntnisse hinzugewonnen. So ist die Arbeit mit den Fünf Elementen und ihren Emotionen eine Grundlagentechnik der Kinesiologie. Auch die Zähne und ihre Emotionen können diesen fünf Elementen zugeordnet werden. Um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten, ist der stofflichen, biochemischen Ebene die energetische Ebene übergeordnet. Die Lebensenergie – in der Traditionellen Chinesischen Medizin Qi genannt – fließt in Meridianen und steht in engem Kontakt mit der Außenwelt.

Eine Leitfunktion haben die beiden Hauptmeridiane, die sich in der Mitte des Körpers auf der Vorder- und Rückseite befinden. Das Zentral- oder Konzeptionsgefäß beginnt am Schambein (Os pubis) und zieht auf der Körpermitte zum Kinngrübchen. Seine Leitemotion ist Erfolg.

Das Gouverneurs- oder Lenkergefäß beginnt am Steißbein (Os coccygis) und zieht auf der Mitte der Wirbelsäule über den Kopf bis zur Mitte der Oberlippe. Seine Leitemotion ist Verlegenheit.

Die Zuordnung der Zähne zu den fünf Elementen, Emotionen und Trigger-Points

Über den entsprechenden Zahn und seine Zuordnung zu den verschiedenen Elementen bekommt man schnell einen Zugang zu den Problemen des Menschen.

Sehr häufig kann man dem Betroffenen helfen, indem man parallel zur organischen Behandlung die Organe, die den Elementen zugeordnet sind, stärkt.

Den fünf Elementen sind neben den Meridianen und den Organen auch Farben, Symptome, Jahreszeiten, Sinnesorgane, Empfindungen und Emotionen zugeordnet. So können bei Störungen dieser Zuordnungen wiederum Rückschlüsse auf das Element bzw. Organ gezogen werden, und eine Behandlung an dieser Stelle bringt oft und schnell Linderung. Dieses Bezugssystem entwickelte sich aus der Beobachtung der Natur und ihrem Kontext zum Menschen. Alles Lebendige auf dieser Welt steht in geordneter, rhythmischer Wechselwirkung. Im Mikrokosmos Mensch stehen Atem- und Herzfrequenz in einem Verhältnis. Im Makrokosmos haben wir den Tag-Nacht-Rhythmus und den Rhythmus der Jahreszeiten, dem auch der Mensch unterliegt. Dieser Jahreszeitenwechsel addiert sich zu einer Folge von Lebenszeitaltern von der Jugend bis zum Tod und als Zyklus wieder zum Neubeginn.

Die Fünf Elemente repräsentieren den Lebenszyklus und ein immerwährendes Ordnungssystem.

So kann Gesundheit als Ordnung und Krankheit als Unordnung bezeichnet werden. Im physiologischen Spielraum kann der Organismus je nach energetischer Verfassung mehr oder weniger Anforderungen von außen regulieren. Wenn das Kompensationsvermögen überfordert wird, entsteht Krankheit. Bei Krankheiten ist es möglich, über organbezogene Meridianverläufe und das Aktivieren von bestimmten Akupunkturpunkten (neuronale Trigger-Points) zu arbeiten. Nach der Fünf-Elemente-Lehre besteht über die Punkte auf den Meridianen eine Verbindung zu dem betreffenden Organ und damit zu den Emotionen. Jedes Organ hat einen Bezug zu einem bestimmten Zahn. So kann die Wechselwirkung wiederum vom Zahn zum Organ und damit zur Emotion hergestellt werden. Durch das Klopfen der neuronalen Trigger-Points wird der Energiefluss angeregt und eine Harmonisierung der Emotionen. Alle neuronalen Trigger-Points können selbstverständlich auch ohne den odontonen Bezug eingesetzt werden.

Ist man sich nicht sicher, den Punkt genau getroffen zu haben, kann auch das Areal großflächig berührt oder massiert werden.

Neuste Studien zur Akupunktur zeigen, dass die gleichen Effekte hervorgerufen werden, auch wenn in der Umgebung des Akupunkturpunktes gearbeitet wird. Die Punkte befinden sich jeweils auf der rechten und spiegelbildlich auf der linken Körperseite, und sie werden gleichzeitig getriggert. Eine gleichzeitige Visualisierung der entsprechenden Emotion bzw. des Organs verstärkt diesen Effekt. Bilder von Positronen- Emissions-Tomographien haben gezeigt, dass durch die innere Vorstellung von Emotionen oder Gegenständen in ganz bestimmten Arealen des Gehirns Stoffwechselprozesse in Gang kommen und dadurch eine Harmonisierung stattfindet.

Das Element Holz

In der chinesischen Vorstellung ist das Holzelement das Symbol für Wachstum. Ihm sind zugeordnet Leber und Gallenblase und die Emotionen Feindseligkeit, Wut und Zorn. Bekannt sind die Ausdrücke „mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“, „die Galle läuft über“, „grün werden vor Wut“. Diese Redewendungen deuten auf diese Emotionen hin. Menschen mit einem organischen Schwachpunkt oder gesundheitlichen Problemen in diesem Bereich haben oft eine niedrige Toleranzschwelle, explodieren sehr schnell und schreien gleich los. Dem Holzelement wird das Lebensalter des Säuglings zugeordnet. Damit seine Bedürfnisse gestillt werden, schreit der Säugling und verstummt erst, wenn er zufrieden ist. Dieses Verhalten behalten manche Menschen ihr Leben lang bei.

Gallenblase

Der Gallenblasenmeridian beginnt am äußeren Rand in der Mitte der Augenhöhle (Orbi talrand), zieht zum Kiefergelenk vor dem Ohr, vor zur Schläfe und zurück um das Ohr herum zum Warzenfortsatz (Mastoid), zieht dann wieder vor zum Haaransatz und wieder nach hinten über den Kopf zum Nacken, nach unten über die Schulter, nach vorne über den seitlichen Brustkorb (Thorax) und wieder zurück zur Seitennaht über die Hüfte an der Außenseite Ober- und Unterschenkel bis zur Wade mit einer kleinen Zacke nach vorne, weiter an der Außenseite des Unterschenkels vor dem äußeren Knöchel bis zum äußeren Nagelfalz an der 4. Zehe. An der Seite der Oberschenkel befindet sich der Gallenblasen-Punkt 31. Wenn die Arme locker an den Seiten herabhängen, liegt der Punkt auf der „Hosennaht“ unter der Mittelfingerspitze. Er ist oft schmerzempfindlich. Häufiges Massieren löst den Schmerz.

Fall: Ein 5-jähriger Junge wurde mir kurz vor seiner Einschulung vorgestellt, da alle seine Dreier-Zähne völlig schwarz und bis auf kleine Reste verfault waren. Die Mutter klagte über die unkontrollierten Wutausbrüche des Jungen. Sie hatte große Sorgen, dass das Kind nach der Einschulung wegen seines Aussehens von den anderen Kindern gehänselt würde und dass er sich diese zum Feind machte, da er häufig emotional ausraste. Die Lösung war die Extraktion der vier Zähne seitens des Zahnarztes, die Behandlung mit Präparaten für Leber und Gallenblase sowie Massage der neuronalen Trigger-Points. Dieses war eine wichtige Maßnahme für den Jungen, da er sie als Erste Hilfe bei Bedarf selbst vornehmen konnte. Er hatte einen guten Start in die Schule.

Fall: Ein Patient klagte: „Ich kann gar nicht mehr laufen, es ist alles untersucht worden. Da ist eine Stelle, an der es besonders weh tut.“ Das war der Punkt Gbl 31 ungefähr auf der äußeren Mitte des Oberschenkels („Hosennaht“), der Gallenblasenmeridian. Die Empfehlung lautete: „Massieren Sie sich an dieser Stelle mehrere Male täglich großflächig.“ Dem Patienten wurde ein Leber-Gallen- Präparat verordnet. Von da an konnte er wieder laufen – so einfach ist es manchmal.

Leber

Der Leber-Meridian beginnt am zweiten Nagelfalz der großen Zehe, und zieht über den Fußrücken an der Innenseite des Unter- und Oberschenkels über die Leistenbeuge nach der Taille außen hoch und endet auf der Mamillarlinie am unteren Rippenbogen im sechsten Rippenzwischenraum (ICR). Der Triggerpunkt Leber 4 befindet sich in der Mitte der Falte des Fußgelenks.

Fall: Ein Patient fragte an, ob die Naturheilkunde ihm helfen könne, da bei ihm Morbus Meulengracht (eine Störung im Bilirubin- Abbau in der Leber) festgestellt worden sei. In der Praxis stellte sich heraus. dass er in der letzten Zeit immer müde und erschöpft war. Außerdem, so berichtete der Patient, brauche er seit neuestem eine Brille und die Zähne oben rechts und links (3er rechts und links) würden leicht ziehend schmerzen. Auch war der Patient oft wütend und zornig aufgrund schwieriger werdender Bedingungen im Beruf. Alle Symptome deuteten auf eine Leberbelastung hin. Die Massage der passenden Trigger-Points, eine Ernährungsumstellung und eine medikamentöse Leberbehandlung brachten einen Fortschritt. Er konnte wieder besser sehen und brauchte seine Brille nicht mehr.

Fall: Eine Patientin klagte darüber, dass sie nach dem Essen ein Druck- und Völlegefühl im Oberbauch und eine große Müdigkeit spürte. Sie befolgte den Rat, vor, während und nach dem Essen diese Punkte zu halten, und die Müdigkeit verschwand. Sie äußerte sich: „Ich rege mich jetzt nicht mehr so schnell auf.“

Der Beitrag wird in CO’MED fortgesetzt.


Zur Autorin: Ingeborg L. Weber, MSc

MSc (Health Sciences und Child Development) und Diplom-Gerontologin. Koordinatorin für den Forschungsschwerpunkt Kinesiologie am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau. Gründung und Leitung der Internationalen Kinesiologie Akademie in Frankfurt. Seit 1993 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Gründung und 1. Vorsitzende Europäischer Verband für Kinesiologie e.V., Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Naturheilbundes e.V. (DNB e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Association of Natural Medicine in Europe (ANME e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Freien Gesundheitsberufe, Dachverband für freie beratende und Gesundheit fördernde Berufe e.V. Kooperationspartnerin des Steinbeis-Transfer-Instituts Körperbezogene Therapien der Steinbeis-Hochschule Berlin GmbH.

Kontakt: Internationale Kinesiologie Akademie, Cunostr. 50-52, D-60388 Frankfurt-Bergen, Tel.: 06109 / 723941, Fax: 06109 / 723942, info@kinesiologie-akademie.de, www.kinesiologie-akademie.de