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Die X-Span Balance
Autor: Sabrina Mager, Ingeborg L. Weber MSc.
Zwischenergebnis einer kurrenten Studie zur Wirksamkeit der Kinesiologie

Es scheint schwer vorstellbar zu sein, was unter dem Namen X-Span Balance zu verstehen ist, wenn man sich nicht unmittelbar in kinesiologischen Kreisen bewegt. Dabei ist die X-Span Balance eine sehr spezielle und umfassende Balance des Brain Gym in der lernfördernden bzw. edukativen Kinesiologie. Sie verdient aufgrund der gegenwärtigen, allgemeinen Entwicklungen unserer Kultur mehr denn je unsere Aufmerksamkeit, denn die X-Span Balance befasst sich mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und der Wahrung sowie Erweiterung des persönlichen Raumes. Das Wort „X-Span“ ist hergeleitet von „expandieren“, was so viel bedeutet wie „nach außen zu gehen und Raum zu ergreifen“, um persönlich zu wachsen.

Wie oft stoßen wir heutzutage an Grenzen – werden durch Verbraucherinformationen oder imBeruf in unseremHandeln fremdbestimmt, damit wir „funktionieren“? Wo bleibt dabei die freie Entfaltung der Möglichkeiten eines jeden Einzelnen, Selbstbestimmtheit, innere Freiheit und unsere persönliche Entscheidungsfähigkeit sowie Entwicklung? Das alles sind Tugenden, die aufgrund der heutigen Anforderungen und dem damit verbundenen „Stress“ bei vielen Menschen in den Hintergrund gedrängt werden.

Den Klienten die persönlichen Ressourcen wieder zugänglich zu machen, dazu bedient sich die Kinesiologie der X-Span Balance.

Hintergrund

Den Raum um uns herum nehmen wir als dreidimensional wahr. Dabei gibt es ein Oben und ein Unten, ein Rechts und ein Links sowie ein Vorne und ein Hinten. In der Kinesiologie und besonders in der X-Span Balance nehmen diese drei Dimensionen eine besondere Rolle ein. Innerhalb der Arbeit mit der X-Span Balance gehtman davon aus, dass Stress eine oder sogar mehrere dieser Ebenen im Gehirn ausschaltet. Stress kann dabei sehr vielfältig sein und wird sehr individuell wahrgenommen. Wayne Topping, der Begründer des kinesiologischen Stress Release, stellte dazu eine Einteilung für die möglichen Ursachen von Stress auf. Er unterschied dabei strukturell bedingten Stress (z. B. körperliches Trauma, schlechte Körperhaltung), umgebungsbedingten Stress (z. B. Schwermetallverschmutzung, elektromagnetische Störfelder), emotional bedingten Stress (z. B. emotionale Traumata, Selbstwertprobleme), verhaltensbedingten Stress (z. B. Perfektionismus, ungenügend Schlaf) und chemisch bedingten Stress (z. B. Nahrungsmittelunverträglichkeit, zu wenig Wasser) (Topping 1998, S. 5).

Dr. Hans Selye, einer der bedeutendsten Stressforscher, deklarierte Stress als eine „nicht-spezifische Reaktion des Körpers auf jede an ihn gerichtete Anforderung“ (Topping 1998, S. 3), woraus sich schließen lässt, dass Stress nicht immer auf bestimmte und klar definierte Art und Weise in Erscheinung tritt, sondern auch in seiner sichtoder fühlbaren Äußerung sehr unterschiedlich sein kann.

Schaltet dieser Stress – kinesiologisch gesehen – also eine oder mehrere Dimensionen im Gehirn ab, zeigt sich das möglicherweise nicht gleich in körperlichen Symptomen, sondern beispielsweise in unorganisiertem Verhalten, mangelndem Einssein mit sich selbst oder einer Veränderung in der Wahrnehmung im kommunikativen Bereich, sowohl im adäquatem Verständnis des Gesagten als auch im Sprachgebrauch selbst. Dr. Paul Dennison, der Urheber der edukativen Kinesiologie, ordnete jeder Dimension eine bestimmte Fähigkeit zu:

• Rechts-Links Dimension: Kommunikation

• Oben-Unten Dimension: Organisation

• Vorne-Hinten Dimension: Verständnis

Wenn bei Stress eine odermehrere dieser Ebenen abschalten und dabei die entsprechende Fähigkeit oder Qualität beeinträchtigt wird, kann über die X-Span Balance sehr gezielt und individuell am Stressabbau gearbeitet werden.

Durch sie ist der Kinesiologe bzw. die Kinesiologin in der Lage, die entsprechende Dimension (bzw. die Priorität zur Balancierung einer bestimmten Dimension) aufzuspüren und sie ganz gezielt auszugleichen. Dadurch ist die X-Span Balance eine Art Gesamtbalance verschiedener Einzelbalancen.

Forschungsfrage

In der hier vorgestellten Studie der Internationalen Kinesiologie Akademie Frankfurt / Main (IKA) wurde ein möglicher Effekt der X-Span Balance erstmals untersucht. Die Fragestellung war dabei: „Ist die kinesiologische X-Span Balance in der Lage, den Stress bezogen auf ein individuelles Thema eines Probanden, was im Zusammenhang mit dem persönlichen Raum im weitesten Sinne steht, zu mindern?“ Diese Untersuchung war dabei Teil einer großen Studie von Ingeborg L. Weber Msc., der Leiterin der IKA, mit der Fragestellung: „Lassen sich Veränderungen bzw. Verbesserungen des subjektiven Empfindens von körperlichen, seelischen und geistigen Themen und Problemen durch kinesiologische Interventionen (Balancen) reduzieren?“

Methode

Zur Untersuchung der X-Span Balance wurden 21 X-Span Balancen von Kursteilnehmern diverser Brain-Gym-Kurse (Brain Gym 1 und 2), die von der IKA ausgerichtet wurden, gefilmt und später durch eine Absolventin der dritten Ausbildungsstufe ausgewertet. Der Balanceablauf folgte dabei stets der von Dr. Paul Dennison festgelegten Testfolge und wurde laut kursbegleitendem Brain-Gym-Handbuch durchgeführt (Skript: Internationale Kinesiologie Akademie 2004, S. 56- 58). Hinzugefügt wurde lediglich ein Stresstest, der den subjektiven Stress (vom Klienten selbst eingeschätzt) sowie den objektiv sichtbaren Stress (über den Indikatormuskel getestet) sowohl vor als auch nach der Balance anzeigte. Aufgrund eines Vergleiches des Stresspegels vor und nach der Balance sowie subjektiver Beobachtungen wurde damit die X-Span Balance auf einen möglichen Effekt untersucht. Im Folgenden werden anhand der Abfolge der Balance Erkenntnisse aus der vorliegenden Studie dargestellt und anhand des Beispiels einer weiblichen Patientin (hier Carla genannt) veranschaulicht.

1. Vortest / Körper-PACE

Die Vortests innerhalb der X-Span Balance werden als Körper- PACE bezeichnet. In diesem wird die Test- und Arbeitsfähigkeit des Klienten sichergestellt, indem die Bereiche energetisch (d. h. steht dem System zum Funktionieren genügend Wasser zur Verfügung), klar (d. h. funktionieren die biochemischen Vorgänge im Gehirn ausreichend schnell), aktiv (d. h. ist der Klient bereit mitzuarbeiten) und positiv (d. h. reagiert das Zentralgefäß bei Herauf- und Herunterstreichen regelgerecht jeweils mit An- und Abschaltung) getestet und gegebenenfalls korrigiert werden.

Beendet werden die Vortests mit der Frage nach der Erlaubnis, mit dem Klienten anschließend arbeiten zu dürfen. Wird diese sowohl durch den Klienten verbal gegeben als auch durch einen angeschalteten Indikatormuskel angezeigt, wird die Balance fortgeführt.

Erkenntnisse aus der Studie

Innerhalb der vorliegenden Studie wurden in den Vortests teilweise Korrekturen benötigt, obwohl die Probanden als Kursteilnehmer schon sehr gut gebahnt und balanciert waren. Ein Grund dafür könnte der Stress gewesen sein, der schon während des Vortretens vor die Gruppe zur kinesiologischen Balance, also der ersten Entscheidung zur Veränderung, auftrat. Umso wichtiger war und ist somit die Durchführung der Vortests auch in einem solchen Fall, um dem Körper optimale Voraussetzungen zur Arbeit an einem Problem oder Ziel zu geben. Andererseits können ungenaue Ergebnisse auftreten. – Die Kinesiologin bekamvon allen Probanden die Erlaubnis zur Weiterarbeit.

Das spezielle Beispiel: Carla benötigte keine Korrekturen in den Vortests. Bei ihr war der Indikatormuskel bei allen Vortests angeschaltet. Die Kinesiologin erhielt von ihr sofort die Erlaubnis, weitermit ihr zu arbeiten.

2. Ziel

Innerhalb der X-Span Balance ist es zu Beginn entscheidend, dass der Klient aus seinemProblemheraus, mit welchemer zur Balance kommt, einen Zielsatz bildet. Somit setzt er sich schon zu Beginn intensiv mit dem Thema auseinander. Dieses Ziel ist stressbeladen und schaltet den Indikatormuskel sowie in der Regel die drei Schlüsselindikatormuskeln ab.

Erkenntnisse aus der Studie

Innerhalb der Auswertung wurde schnell deutlich, wie schwer die Zielfindung in vielen Fällen war. Obwohl auch hierbei alle Probanden Kursteilnehmer waren (und somit in Zielfindung geübt waren), stellte der Stress bezogen auf ihr individuelles Problem häufig eine große Hürde bei der Zielfindung dar. Oftmals wurde demProbanden innerhalb der Zielfindung bewusst, dass ein ganz anderes Problem oder Ziel hinter seiner oder ihrer Betrachtung stand als gedacht. Dabei war häufig auch die Erfahrung der Kinesiologin in der Gesprächsführung ausschlaggebend und damit der Dialog zwischen Kinesiologin und Proband sowie manchmal sogar der Gruppe, wobei jeder Schritt durch den Indikatormuskel überprüft wurde.

Des Weiteren machten die Schwierigkeiten bei der Zielfindung auch deutlich, welchen großen Anteil die Zielfindung als Weg eines Prozesses vom Problem hin zum Ziel für den Probanden hat.

Sie ist einer der wichtigsten Bestandteile der Balance, was diese Untersuchung gezeigt hat. Das spezielle Beispiel: Carla beschrieb, dass sie gern eine neue berufliche Perspektive finden wolle aber nicht wisse, wie sie sich beruflich verändern könnte, umkinesiologische Arbeit mit ihrem Grundberuf der Physiotherapeutin zu vereinbaren. Außerdem mochte sie keine Entscheidung zu Lasten ihres Privatlebens treffen. Ihr Zielsatz, an dem im Folgenden gearbeitet werden sollte, hieß: „Ich organisiere meine berufliche und private Zukunft.“

3. Ziel-PACE

Wurde ein Ziel für die Balance formuliert, wird innerhalb der Ziel-PACE (ähnlich dem Körper-PACE) geschaut, ob dieses Ziel positiv (positiv formuliert), aktiv (die gegenwärtige Situation vor Augen), klar (Ziele und Konsequenzen, die mit diesem Ziel verbunden sind, klar) und energetisierend (Bereitschaft, Energie zur Veränderung einzusetzen) ist. Erst wenn diese vier Bereiche über den Indikatormuskel anschalten, kann mit diesem Ziel weitergearbeitet werden. Danach wird die Erlaubnis, an diesem Ziel arbeiten zu dürfen, eingeholt. Erst dann beginnt die Arbeit mit dem Ziel.

Erkenntnisse aus der Studie

Es zeigten sich keine besonderen Erkenntnisse.

Das spezielle Beispiel: Bei Carla schalteten alle vier Bereiche sofort an. Die Kinesiologin bekam die Erlaubnis zur Arbeit mit dem Ziel.

4. Voraktivität

Zur Herstellung eines besseren Kontextes zumProblemund zur Verdeutlichung der gegenwärtigen Situation wird vor der Korrektur eine sogenannte Voraktivität durchgeführt. Bei einigen Klienten reicht dazu lediglich das Denken an die unbefriedigende Situation, da diese möglicherweise schon sehr heftig ist. Wenn möglich, bietet sich dazu jedoch am besten ein kleines Rollenspiel an, wo der Klient als Person seine Rolle in der Situation einnimmt. Diese Situation wird innerhalb der X-Span Balance anschließend über die drei Schlüsselindikatormuskeln, die jeweils eine Ebene symbolisieren (M. supraspinatus / Roboter = Rechts-Links-Dimension, M. latissimus dorsi / Pinguin = Vorne-Hinten-Dimension und M. pectoralis major clavicularis / Schwimmer = Oben-Unten-Dimension), getestet. Dadurch erkennt der Kinesiologe, welche Ebenen durch das Problem bzw. den Stress, der mit dem Problem in Verbindung steht, beeinflusst werden. Schalten dabei mehrere Ebenen ab, testet der Kinesiologe für das weitere Vorgehen – die tiefergehenden Tests – die Priorität aus. Mit der Ebene, die Priorität hat, werden dann dazu gehörige tiefergehende Tests (kleine standardisierte Aufgaben wie zum Beispiel Gehen, Lesen, Ordnen von Dingen usw.) durchgeführt.

Erkenntnisse aus der Studie

Nicht alle Probanden führten ein Rollenspiel aus, da das Denken an die Situation schon zu heftige Reaktionen auslöste. Im Noticing, also der Beobachtung der Situation (beispielsweise durch die anwesenden Kursteilnehmer oder die Videoaufzeichnungen) zeigten sich zum Teil sehr starke körperliche Stressreaktionen innerhalb des Rollenspiels (z. B. Blässe, zum Kopf steigende Röte, Erstarrung usw.). Im Anschluss an das Rollenspiel wurden bei allen Probanden der subjektive Stresspegel (gefühlter Stress auf einer Skala von 1 bis 10) durch den Probanden selbst und der objektive Stresspegel (getestet über den Indikatormuskel auf einer Skala von 1 bis 10) bestimmt. Bei einigen Probanden reichte diese Skala nicht aus. Bei ihnen lag der angegebene Stress bei über 10. Das geschah teilweise sowohl innerhalb des subjektiven als auch objektiven Stresspegels.

Fast immer schalteten bei der Schlüsselindikatormuskeltestung alle drei Schlüsselindikatoren ab, was zeigt, dass der Stress häufig alle drei Ebenen betraf, sich diese also gegenseitig beeinflussten.

Die sich daraus durch Testung der Priorität ergebende Ebene zeigte die tiefergehenden Tests an, die imAnschluss an das Rollenspiel durchgeführt wurden. Bei fast allen Probanden waren alle diese Tests zu diesem Zeitpunkt abgeschaltet.

Das spezielle Beispiel: Carla führte ein Rollenspiel aus. Dabei stand sie ihrem Chefarzt in der Klinik gegenüber (repräsentiert durch ein Mitglied der Gruppe) und versuchte, diesem ihre kinesiologische Arbeit zu erläutern, um diese mehr mit in ihren Berufsalltag integrieren zu können. Sie wirkte innerhalb des Rollenspiels sehr nervös und konnte ihre Vorstellungen dem Rollenspielpartner gegenüber nicht vertreten. Carla benutzte Äußerungen wie „vielleicht“, die ihre Zweifel und ihrem Wankelmut Ausdruck verliehen. Die anschließende Ermittlung des Stresspegels ergab einen subjektiven Stresspegel (von Carla eingeschätzt) von 6 und einen objektiven Stresspegel (mit Indikatormuskel getestet) von 8. Alle drei Schlüsselindikatoren schalteten bei ihr ab. Priorität hatte dabei die Lateralitätsebene (also die Rechts-Links-Dimension). Innerhalb der tiefergehenden Tests dieser Ebene schalteten bei Carla zwar Sehen, Lesen, Hören und Schreiben an, alle Überkreuzbewegungen sowie das Anschauen und vor dem inneren Auge Vorstellen eines „X“ und „zwei paralleler Linien“ jedoch ab.

5. Lernmenü / Korrektur

Spezifisch wird für den Probanden mit dem Indikatormuskel sondiert, welche der Brain- Gym-Übungen nötig sind. Die Übungen sind für die drei Dimensionen spezifisch. In der Realität zeigt sich sehr oft, dass individuelle Brain-Gym-Übungen auch einer anderen Ebene zugeordnet werden und diese Ebene dann auch korrigiert wird. In Verbindung mit der Rotation der Augenpositionen und des laut gesagten Zieles werden viele Verbindungen der neuronalen Verknüpfungen im Gehirn aktiviert, die durch Stress blockiert wurden. Mit einem neuen bildgebenden Verfahren, der Diffusions-Spektrum- Magnetresonanz-Tomographie, konnten Forscher der Harvard Medical School die geometrisch angeordneten Nervenfasern im Gehirn farbig darstellen. (Quelle: Van Wedeen et al., 2012).

Die Rechts-Links-Dimension wird durch laterale Übungen in Verbindung mit den beiden Augen und Ohren sowie den beiden Händen und Füßen angeregt. Die Impulsübertragung erfolgt kontralateral, d. h. die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite und die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperseite. Die Rückkoppelung läuft ebenso. Diese Kontralateralität besteht demnach sowohl für die Wahrnehmung von Impulsen aus der Körperperipherie (den Körperseiten) zum Gehirn als auch für den umgekehrten Weg der Steuerung des Gehirns über z. B. die Körperbewegung. Beide Gehirnhälften sind über das Corpus callosum miteinander verbunden. Diese Nervenfasern schalten bei Stress ab, so dass in der Regel dann nur einseitig gedacht wird, z. B. rational-analytisch mit der linken Gehirnhälfte bzw. emotional-kreativ mit der rechten Gehirnhälfte.

Für die Oben-Unten-Dimension werden die Energieübungen geturnt. Das bedeutet, dass bestimmte Punkte – vorzugsweise die Anfangs- und Endpunkte der Hauptmeridiane (Zentral- und Gouverneursgefäß) – gehalten oder leicht massiert werden. Der Energiefluss über die Meridiane wird angeregt und die neurologischen Fasern der Corona radiata, die die Zonen vom Stammhirn über das Mittelhirn zum Neocortex verbinden, werden angetriggert. Die Vorne-Hinten-Dimension wird durch Längungsübungen der Muskulatur funktionalisiert. Bei Stress zieht sich dieMuskulatur für die Kampf- oder Fluchtreaktion zusammen. Oft werden die Muskeln nicht mehr entspannt bzw. werden sie so oft angespannt, dass sie nicht mehr locker lassen können. Durch diese Übungen werden die Muskeln im Wechsel gedehnt und gelockert und die Assoziationsschleifen im Gehirn von vorne nach hinten angeregt.

Erkenntnisse aus der Studie

Statistisch gesehen war die Anzahl der zur Korrektur eingesetzten Brain-Gym-Übungen aufschlussreich. Dabei ergab sich, dass unabhängig von der vermeintlichen Schwere des Themas oder Problems sowie des vorher ausgetesteten Stresspegels jeder Proband eine individuelle Anzahl und Zusammensetzung der Übungen benötigte. Diese reichte von einer bis hin zu fünf durchzuführenden Übungen innerhalb der Balance. Bei vielen Probanden gab es Parallelen zwischen den ausgetesteten Übungen und der bei den tiefergehenden Tests als Priorität erkannten Ebene. Zum Beispiel benötigten diese Probanden, wenn innerhalb der tiefergehenden Tests die Priorität auf der Vorne-Hinten-Ebene lag, zur Korrektur Übungen aus den Längungsübungen. Teilweise waren jedoch auch Brain-Gym-Übungen, die eher den anderen Dimensionen zugeordnet sind, zur Korrektur notwendig.

Das spezielle Beispiel: Als Priorität, da alle drei Schlüsselindikatormuskeln abgeschaltet hatten, wurde bei Carla die Lateralitätsebene ausgetestet. Innerhalb der tiefergehenden Tests waren ausschließlich die Tests zur Überkreuzbewegung, -visualisierung und -vorstellung sowie zur Homolateralitätsbewegung, -visualisierung und -vorstellung abgeschaltet. Im Folgenden ergab sich über den Indikatormuskeltest, dass Carla zumErreichen des ZielesMittellinienbewegungen benötigte, die genau dieser Ebene entsprechen und der Anregung der Rechts- Links- Dimension dienen. Sie benötigte:

1. Überkreuzbewegungen, wobei die rechte Hand zum linken Kniegelenk und danach die linke Hand zum rechten Kniegelenk geführt wurde, mit lautem Sagen des Zielsatzes und gleichzeitigen Augenbewegungen (im und gegen Uhrzeigersinn, Lesebewegung, nah und fern).

2. die Liegende Acht, wobei beide Arme gestreckt vor dem Körper in einer Acht bewegt werden (beginnend nach links oben) und dabei (bei stets mittig gehaltenem Kopf )die Augen die Daumenbewegung verfolgen, mit lautem Sagen des Zielsatzes. Weitere Korrekturen waren nicht notwendig.

6. Nachaktivität

Innerhalb der Nachaktivität werden noch einmal (zum Vergleich) die vorher durchgeführten tiefergehenden Tests und das Rollenspiel (bzw. Denken an die unbefriedigende Situation) in gleicher Weise durchgeführt. Dabei werden jeweils auch die Schlüsselindikatormuskeln nachgetestet. Diese sind jetzt in der Regel alle angeschaltet. Sollten ein oder mehrere Schlüsselindikatormuskeln wiederum abschalten, muss nachgearbeitet werden.

Erkenntnisse aus der Studie

Innerhalb der Untersuchung waren bei allen Probanden, sowohl bei den tiefergehenden Tests als auch dem Rollenspiel / Denken an die Situation alle Schlüsselindikatormuskeln nach den korrigierenden Übungen angeschaltet. Es musste nicht nachgearbeitet werden. Das Noticing (also Beobachtungen) des Erscheinungsbildes, der Ausführung eines kleinen Rollenspiels und der tiefergehenden Tests sowie des Auftretens und Handelns jedes einzelnen Probanden jeweils vor und nach der Balance zeigte durchweg positive Veränderungen. Die Ausführung von Aufgaben (den sogenannten tiefergehenden Tests) wurde beispielsweise gewissenhafter. Die Gesichtszüge entspannten sich bei einigen Probanden und es trat mehr Farbe ins Gesicht. Auch innerhalb der Rollenspiele wurde die vorher überwältigende Situation meist wesentlich sicherer und ruhiger gemeistert. Nach dem Rollenspiel / Denken an die Situation wurde die Testung des Stresslevels (subjektiv und objektiv) erneut durchgeführt.

Das spezielle Beispiel: Nach der Korrektur verlieh Carla ihren Ansichten mehr Nachdruck, war sicherer in ihrem Tun (z. B. in den tiefergehenden Tests) und konnte sogar lächeln. Bei ihr konnte ein anfänglicher Stresspegel von geschätzt (subjektiv) 6 und getestet (objektiv) 8 auf geschätzt (subjektiv) 2 und getestet (objektiv) 3 reduziert werden, was einer deutlichen Differenz entspricht.

7. Ziel

Am Ende wird der Zielsatz, den der Klient zu Beginn der Balance formuliert hat, noch einmal getestet. Der Indikatormuskel, der vorher abschaltete, sollte in der Regel jetzt angeschaltet sein. Ansonsten muss nachgearbeitet werden. Ist der Zielsatz angeschaltet, wird dieser geankert, um den Effekt gut im System zu integrieren.

Erkenntnisse aus der Studie

Bei allen untersuchten Probanden war das Ziel nach der Balance sofort angeschaltet.

Das spezielle Beispiel: Carla sprach ihren Zielsatz erneut laut aus, wobei nun sowohl der Indikatormuskel als auch alle drei Schlüsselindikatormuskeln angeschaltet waren.

8. Spiele für zu Hause

Zum Schluss fragt der Kinesiologe über den Indikatormuskeltest, ob der Klient zur Nacharbeit Brain-Gym-Übungen für zu Hause benötigt. Wenn ja, werden diese ausgetestet (Welche Übung? Wie lange? etc.).

Erkenntnisse aus der Studie

Interessanterweise wurde zur Nacharbeit für zu Hause bei denmeisten Probandenmaximal eine Übung ausgetestet. Nur ein Proband benötigte zwei Übungen. Die grundlegende Arbeit und somit ein Großteil der Stressreduktion fand also innerhalb der dokumentierten Balance statt. Ein wesentlich geringerer Anteil ergab sich als Nacharbeit zu Hause.

Das spezielle Beispiel: Carla benötigte für zu Hause keine Übungen mehr zur Nacharbeit. Die zwei während der Balance durchgeführten Korrekturen waren ausreichend.

9. Feedback

Innerhalb des Feedbacks tauschen sich alle Beteiligten der Reihe nach über die Beobachtungen während der gesamten Balance aus. Der Klient kann dazu auch seine Gefühle innerhalb der unterschiedlichen Balance- Etappen äußern. Dieses Feedback soll nicht nur eine Auswertung der Balance liefern, sondern auch dem Klienten widerspiegeln, welche Veränderungen stattgefunden haben und damit den Effekt der Balance noch einmal vertiefen.

Erkenntnisse aus der Studie

Es war auffällig, dass im Gespräch nach den Balancen, in dem sowohl der einzelne Proband oder die jeweilige Probandin als auch die Gruppe und die Kinesiologin ihre Eindrücke (Noticing) schilderten, häufig große Übereinstimmungen innerhalb der Beobachtungen sichtbar wurden. Diese bestätigten sichmeist auch durch die unabhängige Auswertung der Videosequenzen und zeigten sich beispielsweise an körperlichen Reaktionen und Veränderungen (z. B. Flush bei Stressauftritt, Entspannung der Gesichtszüge nach der Balance usw.).

Das spezielle Beispiel: Auch das Feedback von Carla, der Gruppe, den Mitspielern des Rollenspieles und der Kinesiologin zeigten große Übereinstimmung. Die von Carla geäußerte anfängliche Unsicherheit im Rollenspiel vor der Korrektur und die eintretende Sicherheit und Souveränität nach der Korrektur meldeten auch die Gruppe, die Mitspieler des Rollenspieles und die Kinesiologin zurück.

Ergebnis der Studie bezüglich der Forschungsfrage

Als Ergebnis der Auswertung aller eingeschlossenen 21 Fallbeispiele zeigte sich, dass sowohl der subjektive als auch der objektive Stresspegel insgesamt höchst signifikant verbessert werden konnten. Höchst signifikant bedeutet dabei, dass dieses Ergebnis statistisch gesehen verallgemeinerbar ist und daher der positive Effekt einer X-Span Balance auf das subjektive und objektive Stresslevel bezüglich eines bestimmten Themas als wissenschaftlich bewiesen gilt. Genauere Ergebnisse sind in der Abbildung 3 (Stress geschätzt bzw. getestet) dargestellt. Die kinesiologische X-Span Balance ist also in der Lage, den Stress bezogen auf ein individuelles Thema eines Probanden, was im Zusammenhangmit dempersönlichen Raum im weitesten Sinne steht, zu mindern.

Es fiel auf, dass auch bei Probanden, deren objektiver Stresslevel aufgrund eines noch deutlichen (wenn auch reduzierten) Stresses immer noch recht hoch war, subjektiv als deutlich reduziert erlebt wurde.

Ein nach der Balance zwar gesunkener aber, in dessen Relation, immer noch recht hoher Stresspegel trat häufig bei besonders schwerwiegenden Themen auf, da der Körper in einem solchen Fall noch in besonderem Maße nacharbeitenmusste oder eineweitere Arbeit an diesem Problem notwendig war. Häufig spiegelte sich dieser „Rest an Stress“ auch innerhalb des Noticing (der Beobachtung durch Außenstehende) wider, z. B. im Vergessen des eigentlichen Zieles (oder Zielsatzes) während oder nach der Balance. Darüber hinaus ergaben sich zusätzliche Beobachtungen – qualitative Veränderungen – innerhalb der Balancen, die jedoch statistisch nicht ausgewertet wurden. Zu diesen gehörte beispielsweise die Erkenntnis, dass Vortests vor den Balancen unbedingt notwendig sind, da trotz der bereits guten Bahnung als Kursteilnehmer bei einigen Probanden Vortests abschalteten (vermutlich auch aufgrund eines hohen Stresses, der bereits beim Vortreten zur Balance auftrat). Des Weiteren zeigte sich, dass den Probanden die Zielfindung häufig große Probleme bereitete und sich mit dem Finden des Zielsatzes schon sehr viel Stress löste. Häufig wurde den Probanden auch während der Zielfindung bewusst, dass ein ganz anderes Problemoder Ziel hinter seiner oder ihrer Betrachtung stand als gedacht. Diese Erkenntnis betont die Wichtigkeit der Zielfindung für den Prozess, den der Proband in einer Balance durchläuft.

Eine weitere und damit letzte Beobachtung, die sich aus der Studie ergibt, waren die durchweg positiven Veränderungen der Probanden nach der X-Span Balance innerhalb ihres Erscheinungsbildes.

Die Ausführung der Aufgaben in den tiefergehenden Tests wurde beispielsweise gewissenhafter, die Gesichtszüge lockerten sich, und bei einigen Probanden trat mehr Farbe in das Gesicht. Diese Veränderungen im„Noticing“ wurden dabei häufig übereinstimmend von allen Beteiligten (vom Probanden selbst, den Mitspielern des Rollenspieles, der Gruppe, der Kinesiologin und der Auswerterin der Videosequenzen) wahrgenommen, was damit auch eine gewisse Objektivität zeigt.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die durchgeführte Studie bewiesen hat, dass es durch die X-Span Balance möglich ist, den subjektiven und objektiven Stresspegel eines Probanden bezüglich eines konkreten Themas zu reduzieren. Körperliche Stressreaktionen wie Erröten und Schweißausbrüche verschwanden. Planloses Verhalten in den kleinen Rollenspielen wurde in souveränes Handeln umgewandelt.

Bemerkung

Aufgrund des Studienaufbaus traten wissenschaftlich gesehen einige Verzerrungen auf, wie z. B. ein BIAS (systematischer Fehler im Studiendesign). Alle Probanden waren Kursteilnehmer und standen von Anfang an der angewandten Methode positiv gegenüber. Das Fehlen von Verblindungen ist ebenfalls ein Nachteil, denn alle Beteiligten wussten über die Abläufe der Balance und Hintergründe der Studie Bescheid. Bis jetzt gibt es keine vergleichbaren Untersuchungen, so dass diese Arbeit einen Anfang liefert. Damit könnte das Forschungsinteresse geweckt werden, um größer angelegte Studien durchzuführen und, was sehr wichtig ist, auch den Langzeiteffekt zu überprüfen. Die Ergebnisse dieser Studie geben damit auch neue Erkenntnisse für den Einsatz der X-Span Balance in der Praxis, denn die Entwicklung und Wahrung unserer eigenen Identität bei allen Anforderungen dieser Zeit ist von entscheidender Bedeutung.

Literaturhinweis

Internationale Kinesiologie Akademie: Edu-Kinestetik – Brain Gym 1 und Brain Gym 2. Studienführer, Frankfurt / Main, 3. Auflage, 2004. S. 56- 58. Topping, Wayne W.: Erfolg über Stress. Institut für Kinesiologie, Zürich, 2. Auflage, 1998. S. 3 -5. Van Wedeen, J. et al.: The geometric structure of the brain fibre pathways. In: Science Mar 30, 2012; 335(6076):1628-34.


 

Zu den Autoren Sabrina Mager und HP Ingeborg L. Weber MSc

Sabrina Mager

Physiotherapeutin; Schwerpunkt neurologische Behandlung jugendlicher Schädelhirntrauma- und Schlaganfallpatienten im Neurologischen Rehabilitationszentrum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Klinik Bavaria Zscheckwitz; seit 2007 Kinesiologin in Ausbildung an der Internationalen Kinesiologie Akademie Frankfurt/ Main; seit 2009 Bobaththerapeutin (IBITA); Vortragstätigkeit im In- und Ausland.

Kontakt: contact@sabrina-mager.de

HP Ingeborg L. Weber MSc

MSc (Health Sciences und Child Development) und Diplom-Gerontologin. Koordinatorin für den Forschungsschwerpunkt Kinesiologie am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau. Gründung und Leitung der Internationalen Kinesiologie Akademie in Frankfurt. Gründung und 1. Vorsitzende Europäischer Verband für Kinesiologie e.V., Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Naturheilbundes e.V. (DNB e.V.), ehrenamtlich tätig in: Association of Natural Medicine in Europe (ANME e.V.), Freie Gesundheitsberufe, Dachverband für freie beratende und Gesundheit fördernde Berufe e.V. Gründung und Leitung des Institutes für Komplementäre Methoden der Steinbeis Hochschule Berlin zur Implementierung des neuen Studienganges.