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Der Laborbefund – alles eine Frage der Interpretation?
Autor: Ingeborg L. Weber

Autorin: Ingeborg L. Weber

Wie Patienten manches Mal unnötig Angst gemacht wird

Bei einer 60-jährigen Patientin wurde bei einer Blasenspiegelung ein kleiner Blasentumor festgestellt, der operiert werden sollte. Da sie sich schwach fühlte und in einem sehr stark reduzierten Allgemeinzustand war, war sie in großer Sorge darüber,wie sie diese Operation ohne Unterstützung überstehen sollte. Daher wandte sie sich Anfang April 2013 an meine kinesiologische Naturheilpraxis.

Die Anamnese ergab Folgendes:

Ca. drei Wochen vorher, d. h. Ende Februar bis Anfang März 2013, hatte die Patientin eine heftige Grippe, fünf Tage mit fast 40 °C Fieber. Der Hausarzt hatte das Antibiotikum Cefuroxim verordnet.

Anfang März 2013 stellten sich Blasenbeschwerden ein. Es wurde eine Cystitis mit Hämaturie diagnostiziert, die mit 2x1 Tbl. Cefluoxin therapiert wurde. Bei einer Cystoskopie wurde dann ein kleiner Blasentumor gefunden.

Zur Vorbereitung auf die Operation erfolgte noch eine Untersuchung bei einem Facharzt für Lungenkrankheiten, da in der Vergangenheit eine Pollinose sowie Asthma bronchiale festgestellt wurden, die mit Desensibilisierung bzw. über Jahre hinweg mit einem Hub Symbiocort behandelt wurden. Außerdem bestand eine Histaminintoleranz, zurzeit keine klinische Manifestation von Seiten des Atopie assoziierten Asthma bronchiale. Es gab keine Einwände gegen die geplante Operation. Die gründliche internistische Voruntersuchung ergab einen Ordinationshochdruck und eine gemischte Hyperlipämie sowie ein aktuelles Infektgeschehen, ansonsten aber keine Kontraindikation bezüglich der Operation, die für den 23.04.2013 geplant war. Die Patientin war trotzdem sehr besorgt, da sie nicht wusste, wie sie die Operation aufgrund ihrer körperlichen Schwäche, ihres schlechten Allgemeinzustandes und des Krankheitsgefühls ohne weitere Hilfe überstehen sollte.

Mit demkinesiologischen Indikator-Muskeltest wurden folgende Medikamente ermittelt, deren Dosierung einschleichend langsam gesteigert werden sollte bis auf Maximaldosierung.

• Vor dem Essen 5x1 Tbl. Hepeel (Heel) auf der Zunge zergehen lassen – zur Anregung der Leber wegen der erhöhten Leberwerte, außerdem bildet die Leber Immunglobuline zur Infektabwehr

• 3x zum Essen ein Multivitaminpräparat oder Sanostol-Saft für Kinder einnehmen – Während eines Infektes besteht gesteigerter Bedarf, der nicht durch das Essen abgedeckt wird.

• Nach dem Essen 5x1 Tbl. Lymphomyosot (Heel) auf der Zunge zergehen lassen – zur Anregung der Lymphe, damit die Ausscheidung von Toxinen gesteigert wird

• 100 Tr. Opsonat in etwas Wasser, erneut aufschütteln und schluckweise über den Tag verteilt trinken – zum Schutz der Schleimhäute wegen Husten, Schnupfen, trockener Augen, Blasentumor

• 5x1 Tbl. Synergon 4a Echinacea T (Kattwiga) – zur Steigerung der allgemeinen Immunabwehr Eine umfassende Stuhluntersuchung zeigte eine normale Darmflora. Es wurden weder Verdauungsrückstände noch eine Entzündung der Darmschleimhaut gefunden. Der lokale Immunstatus (sekretorisches IgA) war ausreichend hoch. Lediglich der pHWert lag mit 8,0 (Normwert 6-7, leicht sauer) imstark alkalischen Bereich. Umdie Leber zur Produktion von Gallensäure anzuregen, sollte die Patientin vor dem Essen 3x15 Tr. Synergon 180 Absinthium(Kattwiga) einnehmen.

Sie erholte sich unter dieser Therapie rasch und unterzog sich bei weiter zunehmenden Kräften der Operation. Der histologische Befund des entfernten Blasentumors ergab ein Urothelkarzinom. Die Patientin war sehr erleichtert darüber, dass der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt worden war. Ihre Genesung machte weiter gute Fortschritte, und sie war bald wieder voll leistungsfähig. Am 16.05.2013 wurde eine Labor-Kontrolluntersuchung durchgeführt (vgl. Tab. 1).

Voller Panik rief die Patientin daraufhin bei mir an. Der Arzt hätte ihr gesagt, die Kontrolle habe ergeben, dass sie an einem beginnenden Diabetes und Rheuma leide, und die Nierenwerte seien so schlecht, dass sie sehr schnell einen Nephrologen aufsuchen sollte.

Ein Vergleich mit dem Vorbefund in der naturheilkundlichen Praxis erbrachte ein bemerkenswertes Ergebnis:

Die Werte des roten Blutbildes (Erythrozyten, Hämoglobin und Hämatokrit) lagen im unteren Bereich unter Berücksichtigung des erlaubten Variationskoeffizienten (VK). Sie konnten aber auch tatsächlich eine geringe Verminderung bedeuten. Ich empfahl der Patientin, entsprechend förderliche Nahrungsmittel verstärkt zu verzehren (rote Früchte, rote Beete usw.) und 1x1 B12 Ankermann (Wörwag) zur Anregung der Erythropoese einzunehmen. Die Entzündungswerte hatten sich reduziert, teilweise fast auf Normalwerte. Die Blutsenkung von 90 mm auf 18/40 mm/h war noch leicht erhöht, die Leukozyten hatten sich von 13.450 auf 6.400 /μl und die Thrombozyten von 654.000 auf 348.000 /μl und der CRP-Wert (C-reaktives Protein) von 37 auf 6,2 mg/l normalisiert bzw. reduziert. Der CRP-Wert, der als einziger untersuchter Parameter einen vagen Hinweis auf ein beginnendes Rheuma geben könnte, hatte sich normalisiert. Der Blutzuckerwert im nüchternen Zustand war mit 107 mg/dl mit der ersten Untersuchung identisch und grenzwertig, wobei die Grenze der Normalwerte differiert. Der HbA1- Wert („Blutzuckergedächtnis“) war nur bei der zweiten Untersuchung bestimmt worden und grenzwertig. Auf Nachfrage berichtete die Patientin, dass sie am Vorabend der Blutentnahme noch spät eine größere Mahlzeit zu sich genommen hatte. – Von einer beginnenden Diabetes-Erkrankung konnte bei diesen Werten also keine Rede sein. Bei der Nachuntersuchung zur Operation wegen des Blasentumors sollten auch die Nierenwerte kontrolliert werden. Kreatinin und GFR waren mit der Voruntersuchung identisch und grenzwertig. Die Werte erfordern jedoch keine schnelle Konsultation bei einem Nephrologen. Der Kaliumwert der Erstuntersuchung hätte überprüft werden müssen. Es könnte sein, dass das Vollblut länger gestanden hat und das Kalium aufgrund des hohen Konzentrationsgefälles aus den Erythrozyten ins Serum diffundiert ist.

Leider wurden bei der Kontrolluntersuchung auch die Werte für den Fettstoffwechsel nicht mehr ermittelt. Ebenso wenig wurden das erniedrigte Eisen (52 μ/dl, Normalwert 60-150) und der erhöhte Ferritinspiegel (509 ng/ml, Normalwert 15-150) noch einmal bestimmt.

Erstaunlich ist, dass sich die Leberwerte, und zwar die GPT von 64 u/l auf 18 u/l und die Gamma-GT von 94 u/l auf 13 u/l normalisiert haben. Die leicht erhöhte alkalische Phosphatase war ebenfalls im Normbereich. Da ein Verdacht auf eine nicht auskurierte infektiöse Nukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber) bestand, sollte der Titer der entsprechenden Parameter bestimmt werden – die Patientin erholte sich nämlich nur sehr langsam von der fünftägigen starken Grippe mit fast 40 °C Fieber, die sie Ende Februar 2013 hatte. EBV (Epstein-Barr-Virus) IgM war negativ, EBV IgG positiv, aber der Titer wurde leider nicht genau ermittelt. Ein positiver EBV IgG deutet auf eine überwundene Infektion hin.

Meine Erklärung der Laborbefunde beruhigte die Patientin und ließ sie ihr Leben weiter genießen. Da sie gesundheitsbewusst ist, geht sie regelmäßig zur Routinekontrolle.

Fazit

Der hier geschilderte Fall zeigt, dass durch das gezielte Austesten der Medikamentemit dem kinesiologischen Indikator-Muskeltest für die betroffenen Organe sehr schnell eine Normalisierung eintritt. Dies ist inzwischen ein Erfahrungswert in meiner Praxis. Leider kommen in letzter Zeit vermehrt Patienten voller Angst in die kinesiologische Naturheilpraxis, bei denen aufgrund von Symptomen – ohne Differentialdiagnosen (!) – schlimme Erkrankungen diagnostiziert werden bzw. dieman zu einer schnellen Operation drängt. Grenzwertige Befunde werden dramatisiert, und den Patienten wird eine katastrophale Zukunft ausgemalt.

Schon geringe Abweichungen der Laborwerte nach oben oder unten werden als Organveränderungen interpretiert, aber tatsächlich sind sie analytisch bedingt.

Wenn eine auf zehn Röhrchen verteilte Blutprobe analysiert wird, ist der erlaubte Variationskoeffizient 5%. Das heißt, dass einWert von 100 in der Serie von 95 bis 105 schwanken kann. Bei einer Analyse von Tag zu Tag – also mit neuem Laboransatz – steigt die erlaubte Abweichung auf 10%. Dies gilt für die Standardparameter. Kompliziertere Analysen erlauben auch einen VK bis zu 20 % um den Mittelwert herum.

Es ist nicht möglich – wie bei einer Mathematikaufgabe – auf den Punkt genau identische Werte zu erzielen. Es gibt immer eine Schwankungsbreite.

Fordern die Patienten in einer solchen Situation weitere Untersuchungen, gibt es meistens Lösungswege. Manchmal ist ein Arztwechsel nötig. Diese Fälle bestätigen die Darstellungen in demBuch „Der verkaufte Patient“ von Renate Hartwig.


Zur Autorin: Ingeborg L. Weber, MSc

MSc (Health Sciences und Child Development) und Diplom-Gerontologin. Koordinatorin für den Forschungsschwerpunkt Kinesiologie am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau. Gründung und Leitung der Internationalen Kinesiologie Akademie in Frankfurt. Seit 1993 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Gründung und 1. Vorsitzende Europäischer Verband für Kinesiologie e.V., Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Naturheilbundes e.V. (DNB e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Association of Natural Medicine in Europe (ANME e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Freien Gesundheitsberufe, Dachverband für freie beratende und Gesundheit fördernde Berufe e.V. Kooperationspartnerin des Steinbeis-Transfer-Instituts Körperbezogene Therapien der Steinbeis-Hochschule Berlin GmbH.

Kontakt: Internationale Kinesiologie Akademie, Cunostr. 50-52, D-60388 Frankfurt-Bergen, Tel.: 06109 / 723941, Fax: 06109 / 723942, info@kinesiologie-akademie.de, www.kinesiologie-akademie.de